„Egal, ob die Leute zum Islam übertreten“

Zwei Musliminnen nehmen Stellung
Mona Naggar (26) ist eine von ungefähr 100 000
Muslimen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Von
diesen kommen ungefähr 30 000 durch Heirat mit
dem Islam in Kontakt. Den Muslimen stehen 700
Moscheen in Deutschland zur Verfügung. Sonntag
Aktuell sprach mit zwei deutschen Musliminnen,

was es für sie bedeutet, als Muslim in Deutschland zu
leben.


Die Orientalistikstudentin Mona Naggar (26),
Tochter eines syrischen Muslim und einer Deutschen,
lebt seit ihrem 15. Lebensjahr in Deutschland. Sie ist
praktizierende Muslimin. „In gewissem Sinne ist es
leichter in einem nicht-islamischen Umfeld zu leben, sich
abzugrenzen und andere zu verurteilen“, gibt sie zu.
Allerdings fehlt ihr in Deutschland auch der Austausch
mit anderen Muslimen, was sie auf Dauer unbefriedigend
findet.
„Ich kann die Grundsätze dieser Gesellschaft nicht
vertreten, denn sie ist nicht auf religiösen Werten aufgebaut“,
sagt sie. […] Den wirklich islamischen Staat sieht
sie allerdings nirgends verwirklicht. Ein solcher muslimischer
Staat müsste, „eine demokratische Form haben,
mit verschiedenen Parteien“. Oberstes Prinzip in
diesem Staat: „Alle Menschen sind gleich.“ Das gelte für
Männer und Frauen, betont sie nachdrücklich: „Bei der
Aufgabe von Männern und Frauen gibt es keinen Unterschied,
auch nicht in der Familie.“
Mona Naggar findet es nicht unbedingt gut, wenn
ein Mann mehrere Frauen hat. Sie kann aber die
Monogamie auch nicht als die einzig mögliche Lebensform
anerkennen. Sie selbst würde eine andere
Frau nicht akzeptieren. Auch stehe es einem Mann
nicht zu, seine Frau zu schlagen.
Bestimmte Bereiche sollten aber dennoch für
Männer sein, andere eher für Frauen. „Strikte Geschlechtertrennung
ist nicht gut, weil’s zum Nachteil der
Frau ist“, bemerkt sie. Eine Diskriminierung von Frauen
durch das Kopftuchtragen sieht sie nicht: „Die Kleidervorschriften
sind da, um den Kontakt zwischen Männern
und Frauen zu regeln“, erklärt sie. Sie kann sich
aber auch vorstellen, „ohne Kopftuch zu gehen“. Schön
würde sie es finden, wenn „vieles lockerer wäre“ und
auch das Kopftuchtragen nicht mehr als Provokation
gesehen würde.
Und was hält sie von den immer wieder beschworenen
Expansionsbestrebungen des Islam? „Es ist mir
egal, ob die Leute zum Islam übertreten oder nicht. Jeder
hat einen Verstand, den er gebrauchen soll.“
Emine Kaynak (35) ist vor sechs Jahren bei ihrer
Heirat mit einem türkischen Moslem zum Islam übergetreten.
Ihr Leben ist seither straffer und konsequenter,
sagt sie: „Der Tag ist durchwoben vom Bewusstsein
zu Gott.“ Andere bekehren will sie nicht. Es ist ihr aber
wichtig, Vorurteile gegenüber Muslimen abzubauen.
[…] Muslim zu sein, bedeutet für Emine Kaynak auch,
sich an bestimmte Gebote „als Konsequenz innerer
Wandlung“ zu halten: z. B. kein Schweinefleisch zu essen,
keinen Alkohol zu trinken und auch ein Kopftuch
zu tragen. Das Kopftuch ist „wie ein Zelt“ zur Abgrenzung
gegenüber anderen. „Frauen sind nicht weniger
wert als Männer“, bemerkt sie. Sie haben nur verschiedene
Rollen: Der Mann ist für die Familie verantwortlich.
Er muss sie materiell sichern. Die Frau ist für das,
was sich innerhalb des Hauses abspielt, zuständig.
Das hieße aber keinesfalls, dass Frauen keinen Beruf
ausüben sollen oder ins Haus eingepfercht werden
sollen. Trotz prinzipieller Gleichheit stehe es dem
Mann zu, eine zweite Frau zu heiraten. Dies sei aber
nur dann rechtens, „wenn beide in Demut vor Gott sich
nach den Geboten richten“, betont sie nachdrücklich.
Eine wesentliche Ursache dafür, dass die Position
der muslimischen Frau nicht besonders gut ist, sieht
Emine Kaynak darin, dass es keinen islamischen Staat
gibt. Denn in dem idealen islamischen Staat könnten
die Frauen ihre Rechte vor dem Kadi einklagen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter demokratie, deutschland, gesellschaft, islam, Islambild

2 Antworten zu “„Egal, ob die Leute zum Islam übertreten“

  1. mariam

    Hallo,
    dieser Artikel ist über 20 Jahre alt. Fragt die Leute doch mal, was sie heute für eine Meinung haben.
    Mariam

  2. Ismail

    Warum wurde mein Kommentar gelöscht?

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