Begriff und Bedeutung des Wortes „Islam“

Zunächst bezeichnet das Wort „Islam“ eine bestimmte
Religion, die sich auf ein „Heiliges Buch“, den
Koran, und die Botschaft des Propheten Mohammed
gründet. Aus dem Partizip Muslim (= derjenige, der
sich in Gott ergibt oder zum Islam bekennt) leitet sich
die Bezeichnung für die Anhänger dieser Religion ab.
Religionsgesetzlich ist nach dem Verständnis des Islam
der Mensch Muslim, der das Glaubensbekenntnis
des Islam, die Schahada, vor Zeugen, also öffentlich,
ausspricht. Die Schahada lautet: „Ich bezeuge, dass es
keine Gottheit außer Gott (Allah) gibt und dass Mohammed
der Gesandte Gottes ist.“

Bei genauerer sprachlicher Analyse des Wortes „Islam“
ergibt sich eine weitere, sehr entscheidende Bedeutung.
Gemeint ist: „Gottergebenheit“. Wer also
darauf vertrauen kann, dass Gott existiert, und versucht,
sein Leben auf dieses Vertrauen aufzubauen,
ist nach dieser Grundbedeutung des Begriffs „Islam“
ein „Muslim“. Diese Bedeutung hatte auch Goethe im
Blick, als er dichtete: „Wenn Islam Ergebung in Gottes
Willen heißt, im Islam leben und sterben wir alle“. Dies
drückt aus, dass der Begriff „Islam“ nicht allein eine
bestimmte Religionsgemeinschaft oder Weltreligion
bezeichnet, sondern eine religiöse Haltung, die im
Prinzip jedem Menschen möglich ist.

Dieser zweite Bedeutungsaspekt des Begriffs „Islam“
klärt sich noch mehr, wenn man bei der Begriffsanalyse
das Wortfeld mit einbezieht. Das Wort „Islam“
gehört zur gleichen Wurzel wie „salam“, „Heil, Friede“
– ein Wort, das sprachlich eng mit „schalom“ (hebräisch
= Frieden) verwandt ist. Eng verwandt mit dem
Begriff „Islam“ ist im Arabischen das Wort „iman“
(= Glauben) und das Wort „ihsan“ (= schön oder gut
machen). Damit ist gemeint: Ein Muslim im engeren
Sinne oder in der eigentlichen Bedeutung ist nur der
Mensch, der den Glauben an den einen Gott („Islam“)
auch wirklich auf sein Leben übertragen kann („Glaube“)
und der dies durch gute Taten auch auszudrücken
weiß („gut machen“). Diese Betonung der sozialen
Verantwortlichkeit eines Muslim taucht im Koran
immer wieder auf. Beispielhaft dafür ist folgendes Zitat:

„Nicht dies ist Frömmigkeit, dass ihr eure Gesichter
gen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang wendet,
sondern Frömmigkeit ist (bei dem), der an Gott (Allah)
und an den Jüngsten Tag glaubt und an die Engel und
an das Buch und an die Propheten und seine Habe
gibt trotz seiner Liebe dazu den (armen) Angehörigen,
den Waisen und Bedürftigen, den Zugereisten und
Bittstellern und für die Gefangenen; der das Gebet vollzieht
und Almosen gibt und die treulich ihre Bündnisse
erfüllen, wenn sie solche eingegangen sind, und die
ausharrend sind in Not und Drangsal und in Zeiten der
Angst, diese sind es, die wahrhaft sind, und dies sind
die Gottesfürchtigen.“ (Sure 2,177)

Bei einer näheren religiösen und philosophischen
Analyse der Einzelbedeutungen des Begriffs „Islam“
lassen sich Strukturelemente bzw. grundlegende Aspekte
des Selbstverständnisses des Islam erkennen.
Damit wird es dann möglich sein, im interreligiösen
Vergleich, d. h. vor allem im Vergleich mit Judentum
und Christentum, die Besonderheiten des Islam besser
zu verstehen.
Ein erster Schritt in diese Richtung ergibt sich aus
der Hauptbedeutung des Wortes „Islam“, der Haltung
der „Gottergebenheit“. Hieraus wird deutlich, wie
wichtig es dem Islam ist, die Einheit und Einzigkeit
Gottes zu betonen. In der Haltung der „Gottergebenheit“,
der engen Beziehung des Menschen zu dem einen
und einzigen Gott, sieht der Islam einen Wesenszug seiner Religion. Dies zeigt sich auch im ersten Teil
der Schahada, des Glaubensbekenntnisses des Islam,
wo es heißt: „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer
Gott (Allah) gibt.“

Die einzige „symbolhafte“ Darstellung des Begriffs
oder der Religion „Islam“, die überzeugte Muslime akzeptieren
können, ist das Wort „Allah“ (= Gott) oder
die Schahada. Streng genommen kann es nach muslimischem
Verständnis kein Symbol des „Islam“ geben.
Die Sache des Islam oder sein Wesen kann aus muslimischer
Sicht nicht wie bei anderen Religionen mit

der Person des Religionsstifters identifiziert werden.
Mohammed ist nach muslimischem Verständnis
nichts als ein Mensch, der auf den Kern des Islam hingewiesen
hat – die „Gottergebung“. Darum empfinden
Muslime es auch als Verkennung ihrer Religion,
wenn sie als „Mohammedaner“ bezeichnet werden.
Der „Kern“ des Islam, die unbedingte Bindung an
den einen Gott, kann durch kein Bild symbolisiert
werden. Dies widerspräche dem Bilderverbot („Du
sollst dir kein Bild von Gott machen“ / 2. Gebot), das der
Islam in sehr strikter Weise aus dem Judentum übernommen
hat. Allenfalls kann dieser Kern durch das
Wort „Allah“ oder durch das Glaubensbekenntnis verdeutlicht
werden.

Der Begriff „Islam“ schließt auch in starkem Maße
die soziale Verantwortung gegenüber dem Mitmenschen
ein, das gehört zum Selbstverständnis des Islam
dazu. Der Islam als Religion würde demnach eine
religiöse Haltung verkörpern, die durch die enge Bindung
an den einen und einzigen Gott (Ein-Gott-Glaube)
und die Verpflichtung zur sozialen Gerechtigkeit
bestimmt ist. Damit ist der Islam in seinem Wesen zu-

nächst einmal eine Religion des ethischen Monotheismus.
Der Islam ist inhaltlich aufs Engste mit dem
Judentum und Christentum verwandt, die ebenfalls
Religionen des ethischen Monotheismus sind. Diese
„Strukturverwandtschaft“ oder „Strukturidentität“ mit
Judentum und Christentum hat für den Islam die Frage
nach sich gezogen, wie er sein Verhältnis zu den
beiden „Verwandtschaftsreligionen“ genauer definieren
soll. Diese Frage wird schon bei Mohammed und
im Koran aufgeworfen und ist als eine Kernfrage des
Islam und seines Selbstverständnisses zu betrachten.
Zwei grundlegende Antworten, die der Islam gegeben
hat, sollen hier zunächst einmal nur angedeutet
werden.

Die erste Antwort geht von einer Art „Sukzessionsoder
Integrationsmodell“ aus. Mohammed wäre nach
diesem Modell ein „Prophet“ oder „Gesandter“ Gottes,
der die Arbeit weitergeführt oder fortgesetzt („Sukzession“
= Fortsetzung) hat, die vor ihm schon andere
Propheten des ethischen Monotheismus geleistet hatten.
Dies waren vor allem Moses für das Judentum
und Jesus für das Christentum. Aus diesem Grunde
sind in den Koran, aber auch in die Kunst des Islam
zahlreiche Geschichten und Motive aus der Bibel einbezogen
(= integriert) worden. Mohammed ist in der
„Reihe“ oder „Nachfolge“ der schon vor ihm aufgetretenen
Propheten der letzte und vollkommenste, der
sozusagen die letzte und nicht mehr überbietbare
Botschaft des ethischen Monotheismus formuliert hat.
Mohammed ist damit das „Siegel der Propheten“. Damit

wäre ein zweites Strukturelement des Islam auf
den Begriff gebracht: der „Sukzessions- und Vollkommenheitsanspruch“
des Islam.
Nach dem „Abrahamitischen Modell“ war der Islam
als Religion des „ethischen Monotheismus“ schon vor
Moses und Jesus als „Urreligion“ existent. Der erste
Verkündiger dieser „Urreligion“ ist – nach Mohammed
und dem Koran – Abraham gewesen. Er, der nach der
Überlieferung des Koran bereits die Kaaba in Mekka,
das zentrale Heiligtum des Islam, als Ort der Verehrung
des einen Gottes errichtete, hat im Sinne dieser
Auffassung des „abrahamitischen Modells“ das Fundament
gelegt, auf dem die anderen Propheten weiterarbeiten
konnten und an das Mohammed als „Siegel
der Propheten“ wieder anknüpfte. Während allerdings
Juden und Christen nach der Überlieferung des Koran
die Botschaft des „reinen“ ethischen Monotheismus
verfälschten, hat Mohammed die „abrahamitische Urreligion“
wiederhergestellt. Daher ist der Islam im Verhältnis
zu Judentum und Christentum nicht nur die
jüngste Religion, sondern auch die älteste!

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10 Kommentare

Eingeordnet unter islam

10 Antworten zu “Begriff und Bedeutung des Wortes „Islam“

  1. Pinky doooooo

    Hi dieser Text ist ziemlich lang also bitte einen kürzeren für die schuleeeeeee!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Drenusha

    Wie verlässlich sind Ihre Quellen bezüglich der Begriffsdefinition? Scheint alles sehr logisch und kohärent. Würde mich sehr für die Referenzen und Bibliographie interessieren? In welchem Brief schreib Goethe dies usw.? Herzlichst, Drenusha

  3. admin

    Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

  4. samsung

    Ist echt hilfreich aber er ist zu lang bitte verkürzen 😉

  5. punkt

    hmm.. aber das kann ich wohl schlecht alles in meine arbeit schreiben..

  6. annemarie

    Zu lang, ich brauche das für meine Arbeit…

  7. annemarie

    Geht zu Wikipedia 🙂

  8. Olaf

    Viel zu Lang

  9. Barbara

    Der Artikel beantwortet meine Fragen sehr gut. Meine Suchbegriffe waren „Muslim“ und „Wortbedeutung“.

    Aber: Ich vermisse ein Impressum! Soweit ich informiert bin, ist das auch für Blogs verbindlich. Auch ein „über mich/uns“ wäre wirklich nett, denn ich weiss immer gern mehr über die Menschen, denen ich bei meinen Recherchen im Netz begegne. 😉

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