Die Ausbreitung des Islam

Die Durchdringung eroberter Gesellschaften
Die heutige Ausbreitung des Islam steht unter
dem Stichwort Da’wa, „Aufruf“ zum Islam. Diese Form
der Missionierung ist jedoch relativ neu und unter
dem Einfluss der christlichen Mission entstanden;
man darf daher daraus nicht auf frühere Jahrhunderte
schließen, wo die Verbreitung des Islam auf ganz andere
Weise vor sich ging. Nachdem sich in den ersten
beiden Jahrhunderten des abbasidischen Kalifats
(d. h. ab 750, das Kalifat endete 1258 mit der Einnahme
Bagdads durch die Mongolen) der Islam von der
ausschließlichen Bindung an das Arabertum löste,
war es vor allem der Erfolg der islamischen Gesellschaftsordnung,
der eine unwiderstehliche Anziehungskraft
ausübte: Nur ein Muslim war im Vollbesitz
aller Rechte und aller Aufstiegsmöglichkeiten. Hinzu
kamen gewiss auch rein religiöse Faktoren, wie z. B.
die Zerstrittenheit der Christen untereinander in dogmatischen
Fragen und demgegenüber die relative
Unkompliziertheit des islamischen Glaubensbekenntnisses.
All das führte allmählich dazu, dass sich die
Mehrheit der Bevölkerung in den muslimisch beherrschten
Territorien auch zum Islam bekannte.

Das gesamte Gebiet um das Mittelmeer und auch
große Teile des Orients waren im 6. Jh. christlich oder
christlich geprägt. Die islamische Eroberung änderte
die Situation in den Ländern östlich und südlich des
Mittelmeers entscheidend. Drei Wege der Islamisierung
sind zu unterscheiden, die allerdings in den verschiedenen
Zeiten und Ländern ganz unterschiedliche
Kombinationen eingingen.
Einerseits entstand durch die gewaltsame Eroberung
und Inbesitznahme ein unmittelbarer Zwang,
dem staatliche Macht Nachdruck verlieh. Andererseits
war es attraktiv für die rechtlich, politisch und wirtschaftlich
gegenüber Muslimen diskriminierten Christen,
zum Islam überzutreten, so dass es in den meisten
Ländern zu einem langsamen Verschwinden der
christlichen Gemeinden kam.
Ein dritter Weg entwickelte sich besonders in
Indonesien und Ostafrika. Überlegene Händlerkulturen
brachten den neuen Glauben, der sich langsam
friedlich im Lauf der Jahrhunderte in Teilen dieser
Länder durchsetzte.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter islam

2 Antworten zu “Die Ausbreitung des Islam

  1. Indonesien war wirklich ein herausragendes Beispiel für die friedliche Verbreitung des Islam. Erste Einflüsse kamen natürlich durch den Handel (z.B. auf Sumatra) aber auch inzwischen mystifizierte Lehrer, die Wali Songo (Wali = Lehrer, Songo = Jav. Neun) sorgten für die Verbreitung auf der indonesischen Hauptinsel Java. Sie wendeten dabei Methoden an, die auf den kulturellen Traditionen aufbauten, auch wenn dies teilweise den strengen Auslegungen des Islam widersprach und hatten gerade durch Ihre Toleranz großen Erfolg. Einige Muslime der heutigen Zeit, sollten sich an diese Methoden und deren Erfolge zurückerinnern.
    Mehr zum Thema unter: Die Wali Songo und der Islam“

  2. alime

    Hallo Marc,

    ich denke in diesem Punkt sind wir uns einig. Die Statistiken sprechen für sich. Indonesien hat heute die höchste muslimische Bevölkerungszahl von allen muslimischen Ländern. Der Islam wurde nicht durch das Schwert verbreitet, sondern die Indonesier waren durch die Ehrlichkeit von muslimischen Händlern beeindruckt. Diese Ehrlichkeit im Handel, ohne Wucher, Zins, etc. (diese sind im Islam haram [streng verboten] hat die indonesischen Händler beeindruckt) Ich denke, dass ohne Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, etc. zu praktizieren, kann man andere nicht wirklich überzeugen.

    P.S. Tolle Seite, weiter so.

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