Frühe Geschichte

Das Selbstverständnis des Islam, der strikte Bezug
auf den Glauben an einen Gott, lässt sich aus dem
ersten Teil des Glaubensbekenntnisses („Ich bezeuge,
dass es keine Gottheit außer Gott [Allah] gibt […]“) ableiten.
Die Geschichte des Islam liegt zum Teil schon im
zweiten Teil der Schahada, des Glaubensbekenntnisses,
begründet. Dort heißt es: „und dass Mohammed
der Gesandte (Prophet) Gottes ist.“
Mohammed hat das Amt oder die Aufgabe eines
Propheten nicht allein darin gesehen, eine Botschaft
oder Offenbarung Gottes an ein bestimmtes Volk
(hier das arabische Volk) zu überbringen. Nach Mohammed
und den Aussagen des Koran ist es auch die
Aufgabe eines Propheten, eine staatliche Gemeinschaft
bzw. eine Gesellschaft (Umma) aufzubauen, in
der der Ein-Gott-Glaube und die Verpflichtung zur sozialen
Gerechtigkeit gelebt werden können.
Mohammed verstand sich auch als Gesetzgeber,
der die Aufgabe hatte, ein Gesetzeswerk zu entwickeln,
das es der Umma ermöglichte, im Sinne des
ethischen Monotheismus angemessen zusammenzuleben.
Daher enthält der Teil des Koran, der während
des Aufbaus einer muslimischen Gemeinschaft in Medina
entstand, viele Gesetze, die das tägliche Leben
und Zusammenleben der Gläubigen bis in die Einzelheiten
hinein regeln sollten.
Nach Mohammed und dem Koran ist ein Prophet
auch eine Art Politiker, der die Aufgabe hat, bei Streitigkeiten
innerhalb der Umma einzugreifen und die
Umma gegenüber Angriffen von außen zu verteidigen.
Darüber hinaus ergibt sich für einen Propheten
auch die Pflicht, den Islam in alle Welt zu tragen, d. h.
auch andere Völker von der Wahrheit seiner Botschaft
zu überzeugen.


Es war für den Islam nie möglich, Religion und Gesellschaft
(„Islam“ und „Umma“) sowie Religion und
Politik voneinander zu trennen, und daraus ergibt
sich, dass der Islam in seiner Geschichte ein deutliches
Sendungsbewusstsein und einen deutlichen
Missionsanspruch entwickelt hat.
Diese aus dem Prophetenamt ableitbaren religiösen
und politischen Grundsätze haben nach muslimischem
Verständnis auch die Nachfolger Mohammeds
bzw. die Stellvertreter des Propheten (Kalif) gebunden
oder verpflichtet und erklären auch die auf Mohammeds
Tod folgenden Jahrhunderte islamischer
Geschichte.
Nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632 n. Chr.
dehnten die Nachfolger Mohammeds, die Kalifen, den
Geltungsbereich des Islam rasch aus. In einer verblüffend
kurzen Zeitspanne wurden die orientalischen
Kerngebiete des Christentums, Syrien und Ägypten,
erobert. Dann kamen Persien und Nordafrika hinzu.
Und im 8. Jahrhundert wurden Spanien und Teile Indiens
in die muslimische Umma einbezogen. Damit
war der Islam von einer nahöstlichen oder orientalisch-
arabischen Religion im Ansatz zu einer Weltreligion
geworden.
Ein Teil der größeren Eroberungen vollzog sich
unter der Herrschaft von Kalifen, die Mohammed persönlich
gekannt hatten und die enge Vertraute des
Propheten waren. Nach dem Tod des vierten Kalifen,
Ali, der ein Vetter und Schwiegersohn Mohammeds
war, ergab sich ein schwer wiegendes Nachfolgeproblem,
das zur Grundlage für die Spaltung des Islam in
eine sunnitische und schiitische Richtung wurde. Ausgelöst
wurde dieses Nachfolgeproblem durch die
Machtübernahme der Omayyaden (arabisch: Banu
Umayya), einer vornehmen und einflussreichen mekkanischen
Familie, deren Herrschaftsbasis Syrien war.
Der Hauptstreitpunkt war dynastischer Art. Sollten die
Kalifen Blutsverwandte des Propheten sein (schiitische
Position) und damit die Nähe zum Ursprung des
Islam sichern helfen oder sollten die Kalifen nach
sachlich-politischen Gesichtspunkten gewählt werden,
d. h. sich durch militärische und politische Tüchtigkeit
auszeichnende Machtträger bzw. Mitglieder einer
besonders einflussreichen Familie oder Dynastie
sein (sunnitische Position)?
Die Omayyaden-Dynastie, deren letzter Nachfahre
751 nach Spanien geflüchtet war und dort ein glänzendes
Reich aufbaute, wurde 750 durch die Abbasiden-

Dynastie abgelöst, die ihr Herrschaftszentrum
nach Osten in den iranischen
Raum hinein verlegte (Hauptstadt Bagdad)
und die dann 1258 n. Chr. durch den
Einfall der Mongolen ihre Macht verlor.
Damit war die erste große Phase der Geschichte
des Islam, die manchmal als
„klassische Zeit des Islam“ angesehen
wird, zu Ende.
Dass die Zeit von 632–1258 n. Chr. als
„klassische“ Zeit des Islam bezeichnet
wird, hat in den Augen mancher Muslime
mit drei Faktoren zu tun. Der erste ist die
Macht und Weltgeltung des Islam, die
innerhalb kurzer Zeit erreicht werden
konnte. Der zweite Faktor liegt in den
kulturellen und politischen Leistungen
dieser Zeit. Die raschen Eroberungen waren
nur möglich, weil die muslimische
Herrschaft der eroberten, meist christlichen
Gebiete den dort lebenden Menschen
ein verhältnismäßig hohes Maß an
religiöser und sozialer Selbstbestimmung
ermöglichte. Dazu kam, dass muslimische
Gelehrte in hohem Maße bereit waren,
von der Kultur der eroberten Gebiete
zu lernen, und sie den Islam damit kulturell
weiter entwickelten und lernfähig
machten. Drittens schließlich war der Islam
durch die Herrscherdynastien arabisch
geprägt, wahrte also politisch die
Nähe zu seinen arabischen Wurzeln.
Genauer betrachtet wechselte der
Islam nach 1258 lediglich sein Machtzentrum. „Machtträger“
in der politischen Welt des Islam wurden in
zunehmendem Maße türkische, aus Zentralasien
stammende Herrschergruppen. Besonders wichtig
wurden die Osmanen. Von Anatolien aus eroberten
sie sowohl große Teile das Balkans – und griffen damit
entscheidend in die europäische Geschichte ein –
als auch des Nahen Ostens und wurden über den Besitz
der islamischen Kerngebiete auch Träger des Kalifenamtes.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter geschichte

Eine Antwort zu “Frühe Geschichte

  1. Fatima

    …..???????

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