Glaubensrichtungen im Islam

Sunna und Schia
Die Muslime, die Anhänger des Islam, zerfallen in
zwei große Hauptgruppen, Sunniten und Schiiten,
wobei die Sunniten mit etwa 80 Prozent weltweit die
Mehrheit bilden. Die Sunniten kennen keinen Klerus
und keine höchste personifizierte Lehrinstanz; allerdings
kommt den Theologen/Rechtsgelehrten (ulama)
bzw. den entsprechenden Fakultäten an den Hochschulen,
darunter der Al-Azhar-Universität in Kairo, eine
gewisse meinungsbildende Rolle zu, ferner seit jüngerer
Zeit auch der Muslimischen Weltliga […]. Das Amt
des Kalifen, das zuletzt vom osmanischen Sultan mitbekleidet
wurde und nie eine religiöse Lehrautorität verkörperte,
wurde 1924 von Atatürk abgeschafft. In den
[…] Staaten [des Nahen Ostens] bilden die Sunniten in
Syrien, Jordanien, Ägypten und Palästina die überwiegende
Mehrheit; im Libanon sind sie heute mit geschätzten
16 bis 20 Prozent die drittstärkste Konfession nach
den Schiiten und den christlichen Maroniten […].
Der Streit um seine [Mohammeds] politische
Nachfolge, das Kalifat, führte bereits Mitte des 7. Jhs.
im so genannten Ersten Bürgerkrieg (656–661 n. Chr.)
zum Schisma zwischen Sunniten und Schiiten: Während
die Sunniten (sunna = Lehre und Verhalten des
Propheten) lediglich an dem Grundsatz festhielten,
dass der Kalif (Stellvertreter des Propheten im politischen
Sinne) aus dem Stamm des Propheten, den Quraisch,
kommen müsse, verfochten und verfechten
die Schiiten die Ansicht, dass der Imam (Führer der
Gemeinde) ausschließlich ein direkter Nachkomme
Alis sein dürfe, des vierten Kalifen und Schwiegersohns
des Propheten, der als einziger durch seine
Söhne Hassan und Hussein das Blut des Propheten
weitervererbt habe. Erst nach dem rein aus der
Machtfrage entstandenen Schisma entwickelten die
beiden Konfessionen schrittweise ihre z. T. erheblich
unterschiedlichen Glaubensinhalte, wobei die Sunniten
in der Regel die politische Macht ausübten und
die Schiiten im „Untergrund“ wirkten. Wichtigster
dogmatischer Unterschied bei den Schiiten ist die religiöse
Überhöhung der Person Alis und der ihm
nachfolgenden Imame, die als frei von Sünden und
als unfehlbar angesehen werden.

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