Ibn Arabi

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Ein islamischer Philosoph, der sehr viel über das
Verhältnis der verschiedenen Religionen zueinander
nachgedacht hat, ist Ibn Arabi. Ibn Arabi wurde 1165
in Murcia/Spanien geboren, lebte 30 Jahre als Rechtsgelehrter
in Sevilla und verbrachte seine späteren Lebensjahre
in Damaskus, wo er 1240 starb.
Ibn Arabi betrachtet die Welt der verschiedenen
Religionen unter dem Aspekt von „Innen“ und „Außen“,
von „äußerem Erscheinungsbild“ und „Substanz“
bzw. „Sein“ oder „Wesen“.
Eine erste grundsätzliche Aussage über das Verhältnis
der Religionen zueinander ist aus der „Außen-
Innen“-Konzeption Ibn Arabis abgeleitet. Für ihn sind
die verschiedenen Religionen nur in ihrer äußeren
Form unterschiedlich, in ihrer Substanz, in ihrer
„Innenseite“ oder in ihrem Wesen sind sie gleich –
denn sie kreisen alle um den einen Gott.
Eine zweite, damit eng zusammenhängende
Grundauffassung Ibn Arabis ist aus der für den Islam

wie auch für Judentum und Christentum grundlegenden
Konzeption der Einheit und Einzigkeit Gottes abgeleitet.
Gott ist – so Ibn Arabi – zu allumfassend, zu
einzigartig, um vom menschlichen Geist ganz oder in
seiner Einheit erfasst werden zu können. Darum ist jede
menschliche Glaubensauffassung – so „wahr“ oder
echt sie auch sein möge – grundsätzlich partikular, also
nur auf einen Teilaspekt der Einheit und Einzigkeit
Gottes gerichtet.
Diese „Partikularität“ menschlicher Erkenntnis und
menschlichen Glaubens muss kein Hindernis für die
Gotteserkenntnis sein und muss auch nicht notwendigerweise
den Rang, die Bedeutung oder die Dignität
einer bestimmten Religion in Frage stellen –
wenn sich der jeweilige Gläubige oder die jeweilige
Religion dieser „Schranke“ bewusst ist, also zur Selbstbeschränkung
oder Bescheidenheit fähig ist. Gefährlich
und verderblich wird diese Partikularität nur,
wenn sie verdrängt wird und ein religiöser Absolutheitsanspruch
erhoben wird.
Jörg Bohn: Ibn Arabi, in: Studienheft Religion (Rel07c), Institut für Lernsysteme,
Hamburg o. J., S. 39f.
Ibn Arabi – Zur Begründung der Toleranz.
„Hüte dich, dass du dich an eine bestimmte Bekenntnisformel
anbindest und jede andere zurückweisest, wodurch
dir viel Gutes, ja sogar das Wissen von der wahren
Wesenheit Gottes entging. Betrachte deine Seele als einen
(zur Annahme der verschiedenen Formen bereiten,
qualitätslosen) Urstoff für die Formeln aller Glaubensbekenntnisse.
Denn Gott ist umfassender und
größer, als dass ihn ein (bestimmtes) Bekenntnis mit
Ausschluss eines anderen einschließen könnte; wie er
selbst sagt: ‚Und wohin immer ihr euch wendet, dort ist
Gottes Antlitz’ (Sure 2,114) […]. Daraus wird klar, dass
Gott sich in allen Richtungen kundgibt; in denselben äußern
sich die (formellen) Glaubensbekenntnisse; jedes
derselben trifft das Richtige, und wer das Richtige trifft,
wird des Lohnes teilhaftig; und jeder des Lohnes Teilhaftige
ist selig und des Wohlgefallens (Gottes) sicher.“

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