Ibn Ruschd (Averroes)

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Ibn Ruschd wurde 1126 in Cordoba geboren und
ist 1198 ebendort gestorben. Er war Mediziner und
Philosoph und nahm gleichzeitig in Cordoba das Amt
eines Richters wahr. 1171 wurde er Oberrichter von
Sevilla. Mit seinen philosophischen Gedanken stieß er
bei strenggläubigen Muslimen auf Widerstand. Ein
Teil seiner Schriften wurde öffentlich verbrannt.
Im philosophischen Werk des Ibn Ruschd tauchen
drei Grundgedanken auf, die für das Verhältnis von
Religion, Philosophie und Politik von besonderer Bedeutung
sind. Der erste Hauptgedanke des Ibn
Ruschd besteht in der Auffassung, dass Glaube und
Vernunft, Religion und Philosophie, sich nicht widersprechen
können und dürfen. Vernünftig ist dabei alles,
was als klar, widerspruchsfrei und allgemein gültig
vom menschlichen Geist erkannt werden kann.

Beiden geht es um Wahrheit und beiden geht es um
die Ordnung des menschlichen Zusammenlebens. Es
gibt aber nach Ibn Ruschd einen großen Unterschied
in der Sprache beider. Die Sprache der Religion sei
mehr bildhaft, verberge die Glaubenswahrheiten
eher, als dass sie sie klar zum Ausdruck bringe, und
sei auf Interpretation angewiesen. Die Sprache der
Philosophie müsse klar sein und es obliege den Philosophen,
die Wahrheiten der Religion offen und deutlich
herauszuarbeiten. Während die Religion sich in
ihrer bildhaften Sprache mehr an das Volk richte,
seien die Adressaten der Philosophie die Gebildeten.
Zweitens ist für Ibn Ruschd eine enge Verbindung
von Religion und Politik, von Religion und Moral, gegeben.
Jede Religion begründe ihre eigene Moral, die
dem ethischen Handeln der jeweiligen Gesellschaft
zugrunde liegen solle. Die Tugenden wurzeln nach
Ibn Ruschd vor allem in dem Glauben an Gott und
dem Glauben an die Auferstehung. Ohne die Hoffnung
auf Unsterblichkeit und den Glauben an eine
höchste Gerechtigkeit, also an Gott, ist nach Ibn
Ruschd menschliche Moral schwer zu begründen.
Zum Dritten war Ibn Ruschd der Auffassung, dass
es so etwas wie eine allgemeine, allen Menschen zugängliche
Vernunft gäbe. Diese Auffassung begründet
sein Eintreten für die Gleichheit aller Menschen
und dabei auch für die Gleichberechtigung der Frau.
Es sei dumm, so Ibn Ruschd, wenn die Gesellschaft
sich durch die Unterdrückung der Frau der Mitarbeit
der Frau am Wohl der Gesellschaft beraube. Seine
Auffassung von der allgemeinen Vernunftfähigkeit aller
Menschen und vom notwendigen Vernunftcharakter
menschlicher Erkenntnis brachte Ibn Ruschd auch
dazu, eine vernunftgeleitete Auslegung des Koran
und eine vernunftgeleitete Interpretation der Scharia
zu fordern.
Jörg Bohn, nach: W. G. Lerch: Denker des Propheten – Die Philosophie des Islam,
Düsseldorf 2000, S. 132ff.
Ibn Ruschd:
Das religiöse Gesetz ermuntert zur Philosophie
[…] Dass das religiöse Gesetz die Menschen auffordert,
über die existierenden Dinge durch den Verstand
zu reflektieren und durch ihn nach der Erkenntnis
derselben eifrigst zu streben, geht aus mehr als
einer Stelle des gesegneten Korans hervor; z. B. Sure
59,2: „So reflektiert denn, ihr mit Einsicht Begabten.“
Dies ist ein beweisender Text, dass es notwendig ist,
den Verstandesschluss anzuwenden, oder den Verstandesschluss
in Verbindung mit dem Religionsschluss.
Ferner Sure 7,184 „haben sie nicht nachgedacht
über die Pracht des Himmels und der Erde und
was Gott an Dingen erschaffen hat“. Dies ist ein Text,
welcher zum Nachdenken über alle existierenden
Dinge ermuntert. Gott hat gelehrt, dass zu den Personen,
welche er mit diesem Wissen auszeichnet und
geadelt hat, Abraham gehörte; so heißt es in Sure
6,78: „So zeigten wir dem Abraham die Herrlichkeit der
Himmel und der Erde“ etc. Ferner Sure 88,17: „betrachten
sie nicht die Kamele, wie sie geschaffen wurden, und
den Himmel, wie er erhoben wurde“. Sure 3,188 „die,
welche nachdenken über die Schöpfung der Himmel und
der Erde“, und so noch mehrere unzählige Stellen. […]

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