Muhammed – Prophet des Islam (570–632)

Eingeschlossen von den rivalisierenden Reichen
Byzanz und Persien, wurde Arabien im 6. Jh. in seiner
Isolierung gestört. Die hellenistische Kultur und die
christliche Religion an den Randgebieten sowie die
Kämpfe zwischen den Großmächten ließen auch das
Binnenland nicht unberührt. Sie erschütterten die
polytheistische Religion und die Stammesbindungen,
erweckten aber zugleich zu Selbstbehauptung, die in
einer von allen Stämmen gemeinsam entfalteten
Dichtung Ausdruck fand. Mekka war als Sitz des alten
Heiligtums, der Kaaba, und als Zentrum des Handels
auf der alten Karawanenstraße längs des Roten Meeres
den Erschütterungen des Landes vor allem ausgesetzt.
Hier ist auf sie durch Mohammed eine Antwort
gegeben worden, die den Arabern durch die Religion
des Islam weltgeschichtliche Bedeutung geben sollte.
Arm aufgewachsen, aber zu Wohlstand gekommen
durch Heirat mit der Kaufmannswitwe Chadidscha,
erfuhr er um 610 die Berufung, den Arabern als Prophet
die Botschaft des einen Gottes zu bringen.

Seine Verkündigung, die in Bildern, Begriffen und Inhalt in
der Tradition der jüdisch-christlichen Prophetie steht,
brach ekstatisch durch in der drohenden Ansage des
Gerichtes, in dem Gott verwerfen wird die Götzendiener
und Zerstörer seiner Schöpfung. Der Widerstand
der Handelsaristokratie setzte seinem Wirken enge
Grenzen. Aus den vornehmen Familien hatten sich
nur die späteren Kalifen – Abu Bekr, Omar und sein
Schwiegersohn Ali – angeschlossen, der Rest der kleinen
Gemeinde waren Leute unterer Schichten. Die
Gemeinde war ständig wirtschaftlichen und sozialen
Verfolgungen ausgesetzt, gegen deren Härte Mohammed
selbst als der Angehörige eines angesehenen
Stammes besser geschützt war. Erfolglos in seiner
Heimat, wanderte der verachtete Prophet 622 mit seinen
Anhängern nach Medina aus, wo er gemäß den
vorangegangenen Verhandlungen als Vermittler zwischen
den von Hader zerrissenen Stämmen aufgenommen
wurde. Die Hedschra („Auswanderung“) ist
das Ereignis, nach dem der Islam später seine Zeitrechnung
bestimmte, denn sie ist die Wende, durch
die nicht nur Mohammed zum Herrscher eines theokratischen
Staates, sondern auch der Islam zu einem
Faktor der Weltgeschichte geworden ist. Die Verkündigungen
brachten jetzt die von dem barmherzigen
Gott gegebenen Gesetze für das private und öffentli-

che Leben, sie betonen die Endgültigkeit der Offenbarung
Mohammeds gegenüber den als Vorläufer anerkannten
jüdisch-christlichen Propheten und schlossen
die Kaaba ein als den Besitz der Religion, die von
Gott seit Vorzeit offenbar gemacht, von Menschen
immer verzerrt und durch Mohammed wiederhergestellt
worden ist. In ihrer Konsequenz lag die strenge
Disziplinierung der Gemeinde, die Ausrottung der relativ
starken jüdischen Bevölkerung und der Kampf
gegen das Mekka, das das Heiligtum durch Götzendienst
besudelte. Nach wechselvollen Kämpfen und
geschickten Verhandlungen ergab sich 630 die Stadt
ohne Widerstand. Entgegen den Befürchtungen ihrer
herrschenden Sippen hat die Stadt nicht nur nicht an
Bedeutung verloren, sie wurde jetzt die heilige Stadt,
die bis heute Jahr für Jahr von Tausenden aus aller
Welt besucht wird. Als Herr von ganz Arabien stand
Mohammed in Vorbereitungen eines Kriegszuges gegen
das byzantinische Syrien, als er 632 starb.
Das politische Werk Mohammeds ist weitergeführt
worden von den Kalifen, den „Nachfolgern“. Schon
die ersten Kalifen aus seinem nächsten Kreis erweiterten
mit ungemein großer Stoßkraft und Schnelligkeit
das Gebiet des Islam, und auf ihm errichteten die
Omajjaden von Damaskus und später die Abbasiden
von Bagdad die glanzvolle Herrschaft eines Großreiches.

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