Was ist mit den Anderen? – oder: Wie sieht der Islam die Religionen?

Hier muss man einen Blick auf die Entstehungszeit
der islamischen Gemeinde in Mekka und Medina werfen.
Die Hauptgegner der Muslime in theologischer
wie in gesellschaftlicher Hinsicht waren die Menschen,
die den strengen Monotheismus ablehnten,
den Muhammad verkündete. Sie hingen einer religiösen
Vorstellung an, deren Himmel von einer ganzen
Reihe verschiedener Gottheiten bevölkert war. Zwar
war die Idee eines Hochgottes, der Allah genannt
wurde, bereits virulent, aber daneben spielten Göttinnen
und Götter eine Rolle, die teilweise lokale Einflusssphären
(z. B. Stadtgottheiten) oder bestimmte
Lebensbereiche (etwa Fruchtbarkeit) dominierten.


Gegen diese religiöse Ausrichtung wendet sich der Islam
in einer radikalen Ablehnung. Die schlimmste
Sünde, die der Mensch begehen kann, ist es, dem Einen
Gott andere Gottheiten beizugesellen. Dies nennt
der Koran schirk, und die dies tun heißen muschrikun.
Die 112. Sure des Korans macht das Gottesbild des Islams
deutlich:
Sprich! Gott ist Einer, / ein ewig reiner. / Hat nicht gezeugt
und Ihn gezeugt hat keiner, / und nicht Ihm
gleich ist einer. (dt. Friedrich Rückert)
Diese Worte lassen auch erahnen, dass das Verhältnis
des Islams zum Christentum kein ungebrochenes
ist. Die Erwartung, Juden und Christen würden
sich gleichsam ganz von selbst der Botschaft des Korans
öffnen, erfüllten sich nämlich nicht. Die Konflikte
mit den Juden entsprangen politischen Ursachen,
diejenigen mit den Christen der Annahme, Christen
würden an drei Götter glauben. Beiden wird vorgeworfen,
die Offenbarungsschriften, die Moses und Jesus
auf die gleiche Art erhalten hätten, wie Muhammad
den Koran, verfälscht zu haben. Immerhin tragen
sie die Bezeichnung „Leute der Schrift“, ahlu l-kitab.
Innerhalb des Korans lässt sich die Veränderung des
Verhältnisses teilweise deutlich nachspüren, wenn auf
einem Tiefpunkt etwa vor der Freundschaft mit ihnen
gewarnt wird. (5,5 1)
Tatsächlich finden sich im Koran Aussagen, die als
expliziter Auftrag zum Dialog mit Juden und Christen
verstanden werden dürfen.
Das Verhältnis zu den beiden monotheistischen
Religionen Christentum und Judentum kann mit den
Begriffen Nähe und Distanz beschrieben werden.
Schwieriger ist es mit Religionsgemeinschaften, die
nach dem Islam entstanden sind, etwa der Baha’i-Religion,
sowie mit Religionen, die keine monotheistische
Ausrichtung haben.

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Eingeordnet unter islam, Islambild

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