Wer war Muhammed?

Wer also war dieser Mohammed?

Was ist das Geheimnis des Islam?
Unfruchtbar ist das Tal, zerklüftet die Bergwelt,
knapp das Wasser. Aber keiner kann sagen, dass die
Mekkaner im 6. Jahrhundert nicht das Beste aus diesem
Platz machen.
Sie haben eine wohlhabende Stadt erbaut, mit einem
Reichenviertel in der Ebene und dem Handwerker-
und Plebejerviertel an den Berghängen, wo auch
viele Beduinen vorübergehend ihre Zelte aufgeschlagen
haben. Es geht streng hierarchisch zu in der
Stadt: Ein Rat der reichen Familien bestimmt die politischen
Geschicke, die meisten der Aristokraten gehören
dem Stamm der Kureisch an. Sie kontrollieren das
Kreditwesen, sie versorgen die zahlreichen durchreisenden
Geschäftsleute und garantieren gegen Entgelt
deren Sicherheit.
Mekka liegt am Knotenpunkt der Karawanenstraßen,
die den südlichen Jemen mit Syrien und dem
Zweistromland im Norden verbinden. Im Winter tragen
oft 2 000 Kamele Datteln und Weihrauch, sogar
Edelsteine und Seide aus Indien und China gen Norden,
zurück bringen sie Baumwollstoffe, Weizen und
Öl. Und dann ist da noch das Heiligtum, das die Kureisch
kontrollieren: ein schwarzer Meteorit, damals
schon Kaaba genannt, unweit davor der geweihte
Samsam-Brunnen, aus dem Pilger sich Wasser holen
müssen.


Angebetet wird ein ganzes Bündel von Gottheiten:
Hausgötzen in Form von geformten Datteln, aufgerichtete
Steine, die der Pilger mit Blut und Öl bespritzt,
Standbilder, bei denen der Orakel-Suchende
Pfeile wirft. Kamelmarkt, Kult und Kirmes gehen ge-

schäftsfördernd ineinander über – unter dem Schutz
eines drei Monate anhaltenden jährlichen Gottesfriedens,
der Blutrache und Plünderung verbietet, aber
Sangeswettbewerbe wie Essensgelage fördert.
Besonders Dichter und Wahrsager sind gefragt.
Die Mekkaner glauben, diese seien von Dschinn besessen,
halb menschliche, halb überirdische Wesen.
(In Mohammeds Offenbarung tauchen sie später häufig
auf, manche hat er bekehrt, andere wurden zu
„Holzscheiten“ im Höllenfeuer. Spätere Verwandte
der Dschinn sind der Geist in Aladins Wunderlampe,
Meister Proper und die „Bezaubernde Jeannie“ aus
der TV-Serie.)
Mekka ist zur Zeit der Geburt des Mohammed
nicht gerade der spirituelle Mittelpunkt der Welt, liegt
aber auch nicht im toten Winkel der Ökumene. Juden
leben mitten unter den Götzenanbetern und auch einige
Christen. Das Konzept von einem einzigen Gott
ist den merkantilen Mekkanern also nicht unbekannt,
doch besonders attraktiv finden sie es nicht: Die
Fremdgläubigen gehören nicht zur Oberschicht, ihre
Religionsgesetze sind nicht auf Arabisch formuliert.
Sie sind geduldete Außenseiter.
Der Vater stirbt, bevor Mohammed (der „Hochgepriesene“)
geboren wird, die Mutter Amina ist nicht
gerade auf Rosen gebettet. Aber sie gehört zu einer
Untersippe der Kureisch und hat deshalb Anspruch
auf Stammesloyalität. Laut islamischer Überlieferung
soll die Geburt im „Jahr des Elefanten“ stattgefunden
haben, in dem ein bedeutender Sieg über Eindringlinge
gefeiert wird. Doch ähnlich wie beim Geburtsjahr
Jesu ist das nur ein Trick späterer Geschichtsschreiber,
um große Ereignisse in Verbindung zu bringen. Durch
eine detektivische Kombination anderer Lebenstermine
haben Historiker 570 (eventuell 569) als Geburtsjahr
festgelegt.
Mohammed erlebt ein schwere Jugend: Er ist gerade
erst sechs, als auch seine Mutter stirbt, acht, als
der geliebte Großvater von ihm geht. Der Onkel Abu
Talib wird ihm zur lebenslangen Vaterfigur, begleitet
ihn bis zur Selbstentäußerung loyal durch alle Tiefen
– ein Anhänger der neuen Religion wird er allerdings
nie.
Noch deutet nichts auf ein besonderes Leben hin.
Mohammed begleitet in seiner Jugend Karawanen bis
nach Syrien, dürfte dort auch mit christlichen Eiferern
zusammengekommen sein. Dass ihn ein Mönch als
„Prophet“ erkannt habe, wird von Historikern in den
Bereich der Legende verwiesen. Mohammed macht
seinen Job als Karawanenführer so erfolgreich, dass er
einer wohlhabenden Witwe auffällt. Er heiratet mit 25
Jahren diese Chadidscha, die mindestens ein Jahrzehnt
älter ist. Sie schenkt ihm vier Töchter (und zwei
oder drei Söhne, die aber im Kindesalter sterben). Sie
wird zu seiner zweiten großen Vertrauensperson.
Glücklich verheiratet, gut situiert – und dann
kommt mit 40 die große Krise, die ihn aus der Bahn
wirft. Mohammed wird zum Aussteiger. Er lässt die
Geschäfte ruhen, zieht sich in die Einsamkeit der Berge
zurück, meditiert in Höhlen.
Ab jetzt teilt sich die Geschichte seines Lebens im
Auge des Betrachters, ganz nach dessen Einstellung,
nach dessen Gläubigkeit: Mohammed erfährt in einer
dramatischen Nacht als „Siegel des Propheten“ die
erste Offenbarung Gottes, wird jeder Muslim sagen.
Mohammed hat geniale Einfälle, wird in einer revolutionären
Bewusstseinswandlung zur religiös-politischen
Führerfigur, urteilt der Ungläubige.
„Die Wahrheit“ kommt jedenfalls schmerzlich über
ihn, der nach Ansicht mancher Islamforscher ein Analphabet
ist.
Der Engel Gabriel, den er vor sich sieht, packt ihn
mit aller Kraft und schnürt ihm die Luft ab, als er auf
dessen Worte nicht reagiert: „Trage vor im Namen
deines Herrn!“ Noch einmal würgt der Engel ihn und
fordert: „Trag vor!“
Endlich glaubt Mohammed begriffen zu haben –
er solle die ihm vorgebeteten Worte rezitieren und
sich für alle Zeiten merken: die Lehre von Gott, der
ihn als seinen Gesandten dazu bestimmt habe, die
Mitmenschen von ihrem heidnischen, egoistischen
und unbarmherzigen Leben abzubringen. Damit ihnen
nicht am Tage des Jüngsten Gerichts „eine auseinander
klaffende Erde, lodernde Feuer“ und weitere
Höllenqualen drohten.

Seiner Sendung ist sich Mohammed anfangs keinesfalls
sicher. Er weint sich bei seiner Frau aus, spielt
mit Gedanken an Selbstmord („mich von einem Berg
herabzustürzen“). Die Offenbarungen reißen ab, kommen
dann wieder. Der gequälte Prophet, schweißgebadet,
nur von seiner unmittelbaren Umgebung ermuntert,
gibt die Bestellungen schließlich weiter –
und erntet bei den Mekkanern meist Spott und wütende
Ablehnung.
Als mittelgroßen Mann mit einem bauschigen
Bart, der stets ernst war und niemals aufbrausend
oder nachtragend, mit einer Schwäche für Parfum
und schöne Frauen – so beschreiben ihn später phantasievolle
Geschichtenerzähler. Erwiesen sind solche
Details nicht. Eine charismatische Persönlichkeit muss
er jedenfalls gewesen sein, selbst seine Gegner sprechen
ihm die besondere Ausstrahlung nicht ab.
Das macht Mohammeds Botschaft in ihren Augen
nicht besser: Mekkas Elite fühlt sich bedroht. Soll sie
eines neuen Propheten wegen auf die Einkünfte an
der Kaaba-Pilgerstätte verzichten? Und warum denn
teilen mit den Armen – für eine Belohnung in einem
zweifelhaften Jenseits, wo die Knochen doch „ohnehin
morsch“ sind, wie sie sagen? Da nennen sie ihn
lieber einen „Besessenen“ und seine Lehre ein „wirres
Bündel von Träumen“.
Mohammed nimmt nie für sich in Anspruch, Gottes
Sohn zu sein. Der Islam verurteilt eine solche „Beigesellung“
gegenüber dem Höchsten ausdrücklich.
Als einige Mekkaner ihn auffordern, sein Prophetentum
doch mit einem Wunder zu untermauern, muss
er passen: Er kann nicht über Wasser gehen, Lahme
laufen lassen, Brot vermehren. Und er gibt zu, dass er
nicht der erste Prophet gewesen ist. Mohammed
sieht sich in einer Reihe mit Stammvater Ibrahim (Abraham),
Moses und Issa (Jesus).
Einige Anhänger, viele aus der Unterschicht, suchten
wegen der zunehmend feindlichen Haltung der
Stadtväter Zuflucht in Abessinien, wo der christliche
König sie gnädig aufnimmt und Parallelen zur Bibel
erkennt: „Wahrlich, dieses und die Offenbarung an
Mose kommt aus einer Nische.“ Den Gottesgesandten
trifft ein weiterer schwerer Schicksalschlag: Sein Ersatzvater
Abu Talib und seine geliebte Chadidscha
sterben, beide im Jahr 619.
Mohammed ist 52, als er seiner Stadt den Rücken
kehrt: ein Prophet, der in seiner Heimat nichts zählt.
Ein Gescheiterter, der zwei Drittel seines Lebens hinter
sich hat und nicht viel mehr als einige Dutzend
um sich scharen kann, die an ihn glauben. Dass er in
dieser Situation nicht an seiner Botschaft verzweifelt
und aufgibt, grenzt für den Ungläubigen an ein Wunder.
Mit der „Auswanderung“ („Hidschra“) des Verfemten
am 16. Juli 622 fängt die islamische Zeitrechnung
an. Es ist ein Markstein der Weltgeschichte, denn jetzt
beginnt Mohammeds kometenhafter Aufstieg. In nur
einer Dekade ruft er eine mächtige Gemeinschaft ins
Leben, etabliert den Islam, legt die Grundlagen für ein
Weltreich.
Er zieht mit seinen Anhängern ins 300 Kilometer
nördlich gelegene Jathrib, das später zu seinen Ehren
Medina al-Nabi genannt wird, „die Stadt des Propheten“.
In der Oase herrscht Streit, zwei arabische Stämme
bekriegen sich, etwa die Hälfte der Bevölkerung
sind Juden. Die Medinenser suchen einen von außen,
der Ideen hat, der sie mit irgendeiner Botschaft zusammenschweißt.
Sie sind im Gegensatz zu den Mekkanern,
die nach eigenen Worten „nur den Spuren ihrer
Väter folgen“ wollen, aufnahmebereit.

Dem Neuen gewährt man Schutz vor Feinden,
auch mit den Mitteln der Blutrache. Dafür erwartet
man von ihm Vermittlung: Mohammed wird zum
Schlichter unter den Zerstrittenen, zum Stifter einer
neuen Stammessolidarität. Er entwirft den Vertrag für
„eine einzige Gemeinschaft, unterschieden von allen
anderen“.
Das Merkmal, das sie vereint und von der Umwelt
abhebt, ihr gemeinsamer Kitt, wird der Glaube an einen
einzigen Gott. Mohammed hält seine neue
monotheistische Religion zunächst offen für andere,
besonders für die Jathriber Juden.
Der Prophet empfängt weiter seine Offenbarungen.
Doch mit seiner Funktion in der neuen Stadt verändert
sich auch der Schwerpunkt der Eingebungen:
Handelte es sich in Mekka zumeist um eschatologische
Themen vom Jüngsten Gericht, so richten sich
die Medina-Botschaften vor allem auf das diesseitige
Leben. Mohammed predigt von der sozialen Verpflichtung
des Eigentums, dem pfleglichen Umgang mit
Frauen, vom Wucherzins, Glücksspiel und Alkohol.
Wer bei einer Erbschaft zwei Drittel, wer nur ein
Achtel bekommen soll, wird vom Propheten festgelegt.
Wie genau Waren gewogen werden sollen
(„Gebt volles Maß“). Was einem Dieb gebührt („Haut
ihm die Hand ab“). Die Lehre mit ihren präzisen Alltagsvorschriften
durchdringt alle Bereiche des
menschlichen Daseins. Bis hin zum Zähneputzen,
zum Händewaschen nach dem Sex. Allah: ein Gott
auch der kleinen Dinge.
Der Islam ist mehr als andere Religionen – er ist
„der Entwurf einer Gesellschaftsordnung“, schreibt
der britische Philosophieprofessor Ernest Gellner. Der
Islam unterscheidet sich auch wesentlich vom Christentum,
mit dessen Lehren wie mit denen des Judentums
Mohammed in Medina konfrontiert wurde.
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagt im Johannes-
Evangelium der angeklagte Jesus zu Pilatus. Im Islam
fehlte diese Trennung zwischen Religion und
weltlicher Macht von Anbeginn: Der Medina-Stadtstaat
ist Mohammeds Gottes-Entwurf auf Erden, sein
Reich ist von dieser Welt.
Gerade weil Mohammed in vielen Bereichen so visionär
und bis in unsere Tage revolutionär erscheint,
enttäuscht es viele, dass er in anderer Beziehung ein
Kind seiner Zeit und seiner Stammeskultur geblieben
ist. Er hat die Stellung der Ärmsten in der Gesellschaft
verbessert. Aber er dachte gar nicht daran, etwa die
Sklaverei abzuschaffen. Und besonders verstörend ist
seine ambivalente Einstellung zur Gewalt.
Als Mohammed seine Position in Medina konsolidiert
hat, greift er zum damaligen Brauch der Raubzüge.
Einmal überfällt er sogar im heiligen Monat eine
mekkanische Karawane und bricht damit den Landfrieden.
Gerechtfertigt wird dieses Vorgehen in einer
göttlichen Offenbarung, Koran-Sure 2, Vers 217:
„Kampf in dieser Zeit wiegt schwer, aber jemanden
abzuhalten vom Weg Gottes […] das wiegt schwerer.“
Bei der Schlacht von Badr im Jahr 624 schlagen die
zahlenmäßig weit unterlegenen Muslime die Mekkaner
in die Flucht, den Sieg werten sie als besonderen
Gnadenerweis des Himmels. Drei Jahre darauf sammeln
sich die Krieger aus Mohammeds Heimatstadt
zur Revanche vor den Toren Medinas. Sie scheitern an
einer sehr weltlichen List des Propheten: Breite Gräben
hat er um die Oasenstadt ausheben lassen, die
Pferde der feindlichen Armee können sie nicht überwinden.
Bevor Mohammed sich anschickt, seinen Geburtsort
zu erobern, muss er sich mit einem Problem beschäftigen,
das er überwunden glaubte: den Juden
von Medina. Er hat ihnen Respekt entgegengebracht
und vorausgesetzt, sie würden im Islam eine Fortentwicklung
ihrer eigenen Religion erkennen. Doch die
Juden sehen Mohammed nicht als Propheten. „Sie
frevelten und zerschnitten den Bund, der zwischen ihnen
und dem Gesandten Gottes bestand.“
Da lässt Mohammed die Seinen enttäuscht nicht
mehr in Richtung Jerusalem beten, sondern gen Mekka.
Und beansprucht den Stammvater Abraham ganz
für sich, indem er ihn zum Ur-Muslim erklärt. Mohammed
behauptet, Abraham habe einst den schwarzen
Stein in die Kaaba von Mekka gebracht und dort gebetet.
Damit erhebt er den Islam nicht nur zur Vollendung,
sondern zum Ursprung aller monotheistischen
Religionen. „Die genialste aller religiösen Schöpfungen“
nennt das der niederländische Islamwissenschaftler
Snouck Hurgronje.

Angeblich entkommt Mohammed nur knapp einem
jüdischen Mordanschlag. Er rächt sich mit blutiger
Vertreibung. Doch auch später werden die Juden
– wie die Christen – als „Schriftbesitzer“ Privilegien
genießen. Sie können, anders als Polytheisten, gegen
eine Kopfsteuer („Dschisja“) als Schutzbefohlene in islamisch
beherrschten Gesellschaften leben.
Und dann fällt dem Propheten seine Heimatstadt
praktisch kampflos zu. Mekka ist eine Stadt im Umbruch.
Viele haben sie verlassen, um sich den mächtigen
Muslimen anzuschließen. Die Gemeinschaft von
Stamm und Sippe zerbröckelt, die traditionelle Wertordnung
zeigt Auflösungserscheinungen. Zu dekadent
sind die Reichen, zu bettelarm die Unterprivilegierten
geworden. Der Islam stößt in dieses politische
und spirituelle Vakuum.
Der Unruhestifter von einst kehrt im Triumph als
Sinnstifter nach Mekka zurück. Als Erstes reißt er die
Götzenfiguren aus der Kaaba, funktioniert sie um zum
Heiligtum des Einen Gottes. Er übt Milde, verschont
weitgehend seine früheren Feinde, predigt Versöhnung
statt Rache. Bei der Verbreitung seiner Lehre
bevorzugt er die Diplomatie, wozu bekanntlich auch
die Eheschließung zählt: Einige seiner insgesamt 13
Frauen, darunter viele Witwen, heiratet der Prophet,
um einen weiteren Stamm an sich zu binden.
Der Harem ist ihm ebenso Last wie Lust. Mohammed
zweifelt am Sex, stöhnt über die Intrigen um seine
Lieblingsfrau Aischa – ein Mann, kein Übermensch.
Er ist jetzt der unbestritten mächtigste Mann Arabiens.
Er hat praktisch alle Stämme der Halbinsel geeint,
Bündnisse bis nach Irak und Syrien geschlossen.
Sein Lebenswerk ist vollendet. Mohammed stirbt am 8.
Juni 632, neun Witwen stehen an seinem Grab in Medina.
Einen Nachfolger hat er nicht aufgebaut, sondern
darauf vertraut, dass die Botschaft überlebt. Und doch
sieht Mohammed in seinen letzten Stunden illusionslos
in die Zukunft. Er fürchtet Spaltungen unter seinen Anhängern:
„Die Juden sind in 71 Richtungen gegangen,
die Christen in 72, ihr werdet in 73 Richtungen gehen.“
Gottes Wort wurde von den nachfolgenden Kalifen
schnell weit in die Welt hinaus verbreitet. Aber
genauso schnell waren Mohammeds Erben untereinander
zerstritten – wie vom Propheten prophezeit.
Noch sind keine 30 Jahre vergangen, da kommt es
zum großen Schisma. Für eine Gruppe von Gläubigen
ist Mohammeds Vetter Ali der allein rechtmäßige
Nachfolger des Propheten. Sie spalten sich nach Alis
Ermordung im Jahr 661 von der Mehrheit ab. (Die
meisten dieser Schiiten warten bis heute auf die
Wiederkehr ihres zwölften Imam, der im 9. Jahrhundert
auf mysteriöse Weise verschwand. Oft unterdrückt,
galten sie mit ihrem Glauben an das Märtyrertum
und den blutigen Selbstgeißelungen bald als
besonders fanatisch. Der Ruf blieb ihnen bis heute erhalten.
In Teheran agieren Theologen als Stellvertreter
des zwölften Imam; zum berühmtesten dieser
Ajatollahs wurde der gnadenlos fromme Revolutionsführer
Chomeini.)
Auch die Schiiten berufen sich auf den Koran, der
zu Mohammeds Lebzeiten noch nicht in seiner heutigen
schriftlichen Form existierte und wohl erst unter
dem dritten Kalifen Uthman (644 bis 656) zusammengestellt
wurde. Doch die Schiiten akzeptieren nicht
dieselben Überlieferungen („Hadithe“) wie die Sunniten-
Mehrheit, weil sie vielen Gefährten des Propheten
Fälschungen unterstellen.
Bis zu einer halben Million „Hadithe“ zirkulieren:
ein Sammelsurium von teilweise dubiosen Erzählungen
und durchsichtig parteilichen Auslegungen seiner
Worte. 9 000 werden gemeinhin anerkannt, auch
davon sind mit einiger Sicherheit viele Fälschungen.
Während den sunnitischen Gläubigen in engem
Rahmen Kritik an diesen Hadithen erlaubt ist, bleibt
der Koran sakrosankt. Er besteht aus 114 Suren mit
6 236 Versen. Angegeben ist, ob sie in Mekka oder
nach der Auswanderung nach Medina zu Stande kamen.
Aber sie sind nicht chronologisch geordnet,
sondern nach Länge. Fünf Eckpfeiler, so genannte
Säulen, sollen das Leben jedes Muslim bestimmen:
das Bekenntnis zu Allah und seinem Propheten
(„Schahada“), das täglich fünfmal zu verrichtende Gebet
(„Salat“), das Fasten im Monat Ramadan („Saum“),
das Entrichten einer Armensteuer („Sakat“), die Pilgerfahrt
nach Mekka („Hadsch“).
Es ist eine Religion ohne Erbsünde, ohne Dreifaltigkeit,
ohne Papst oder andere Religionsvermittler,
ohne Gottessohn auf Erden – „ungeheuerlich … die

Berge stürzen darüber ein, dass sie dem Erbarmer ein
Kind zuschreiben“, heißt es tadelnd im Koran, der viele
andere Elemente der Bibel aufgreift. […]

Advertisements

5 Kommentare

Eingeordnet unter mohammed, muhammed, Uncategorized

5 Antworten zu “Wer war Muhammed?

  1. Roeder, Holger

    Hallo, ich hätte gerne gewusst welche Quelle gibt es für die erste Offenbaraung, d.h. als der Erzengel Gabriel den Propheten gewürgt hat. Wenn ich Muslime darauf anspreche, dann wissen sie zwar von der ersten Offenbarung aber nicht wie sie entstanden ist. Wird dies im Koran erwähnt und wo ? Vielen Dank.

  2. alime

    Von `A´ischa, Mutter der Gläubigen, Allahs Wohlgefallen auf ihr:
    Al-Harith Ibn Hischam, Allahs Wohlgefallen auf ihm, fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, indem er sagte: „O Gesandter Allahs, wie kommt die Offenbarung zu dir?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Manchmal kommt sie zu mir wie der Klang einer Glocke, und dies ist für mich die schwerste Art, er Dschibril (Gabriel) verlässt mich dann, wenn ich alles, was er sagte, in meinem Gedächtnis bewahrt habe. Manchmal erscheint der Engel vor mir in der Gestalt eines Mannes und spricht zu mir, und ich bewahre in meinem Gedächtnis, was er sagt.“ `A´ischa sagte: „Und ich habe ihn im Zustand gesehen, als die Offenbarung zu ihm kam: an einem sehr kalten Tag lief der Schweiß von seiner Stirn herunter, als er (der Engel) ihn verließ.“
    [Sahih Al-Bucharyy Nr. 2]

    http://islamische-datenbank.de/option,com_buchari/action,viewhadith/chapterno,1/

  3. „Es ist eine Religion ohne Erbsünde, ohne Dreifaltigkeit,
    ohne Papst oder andere Religionsvermittler,
    ohne Gottessohn auf Erden – „ungeheuerlich …
    Berge stürzen darüber ein, dass sie dem Erbarmer ein Kind zuschreiben“, heißt es tadelnd im Koran, der viele andere Elemente der Bibel aufgreift. […]“

    Ohne Dreifaltigkeit?
    Der Heilige Geist (Person) existiert auch im Koran und übernimmt Aufgaben.
    Jesus existiert im Koran und wirkte Wunder.

    Wenn Allah allmächtig ist und Menschen erschaffen kann, kann er auch einen Sohn haben. Die Moslems setzen Allah grenzen.

    Wenn Engel dem Menschen erscheinen, sprechen sie zuerst: Fürchte dich nicht.
    Sie sind respektvoll und berühren die Menschen nicht.
    Und dieser Engel Gabriel soll Mohammed gewürgt haben!
    Liebt Allah die Menschen von Herzen und die Menschen aus freier Entscheidung Allah?
    Mohammed hat Kriege geführt und Menschen umgebracht. Warum wird solch ein Mensch verehrt!
    Sollten Ehrlichkeit, Vergebung und Liebe und das Verbot des Tötens unter den Menschen nicht an erster Stelle stehen?

  4. GeS

    Hey,
    weiß jemand, wodrin Mohammed einen nachfolger für seinen „job“ hinterlassen hat!?
    Danke.
    LG
    GeS

  5. admin

    @Gesa
    Sorry, ich verstehe deine Frage nicht ganz. Meinst du die Kalifen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s