Venezia e l’Islam 828-1797

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Von Eva Troelenberg

Es sind echte venezianische Orientalen, die sich derzeit auf der Loggia des Dogenpalastes unters Volk mischen: In Lebensgröße weisen die bärtigen Händler und verschleierten Damen aus Vecellios Kostümbuch »Habiti Antichi« den Weg zur Sala dello Scrutinio, wo bis November die Ausstellung »Venezia e l�Islam« zu sehen ist. Nach New York und Paris weckt die von Stefano Carboni kuratierte Schau nun in ihrem Heimathafen große Erwartungen. Als Kooperation des Institut du Monde Arabe, des Metropolitan Museum of Art sowie der Musei Civici Veneziani verspricht sie außerordentliche Exponate, verbunden mit den Ergebnissen hochkarätiger Forschung.

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Die Inszenierung beginnt mit einem orientalisierenden Kulisseneffekt, der an dem historischen Ort befremdlich wirkt: Zwei blaue Stellwände mit mamelukisch anmutendem goldenen Sternenmuster schirmen den Eingang ab. Erst auf den letzten Metern erkennt man zwischen ihnen die Rückwand des mit kufischen Inschriften überzogenen »Thrones von St. Peter« aus San Pietro in Castello � wohl ein umgearbeiteter islamischer Grabstein, der als eines der ältesten Objekte die Ausstellung eröffnet. Um ihn allerdings von vorne betrachten zu können, wird man zunächst noch an der »Venezianischen Gesandtschaft in Damaskus« vorbeigeleitet, die prototypisch für die orientalisierende venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts stehen kann.

 

 

 

Diese ist auch Gegenstand einer eigenen Sektion � womit sich gleich eine wesentliche konzeptuelle Problematik zeigt: Offenbar war es schwierig, die Kapitel so zu gruppieren, dass einerseits ihre Zusammenhänge untereinander klar hervortreten, andererseits aber keine Umwege und Interferenzen entstehen: Ein Blatt mit räumlicher Skizze und knappen inhaltlichen Erläuterungen hilft denn auch bei der Orientierung zwischen den Themen »Venedig und der Islam«, »Venedig und die Mameluken«, »Gentile Bellini in Istanbul«, »Venedig und die Osmanen«, »Venedig und Persien«, »Die Lepanto-Schlacht« sowie »Venedig und die Osmanen nach der Lepanto-Schlacht«. Durchwandert man nach diesen Kriterien den dicht bespielten Raum, so wird einerseits klar, dass die große Fülle und Vielfalt von Exponaten eine Gliederung braucht � andererseits bleibt die Frage, ob dieses teils geographische, teils historische Vorgehen der schlüssigste Weg ist.

 

So liegt die Qualität der Ausstellung auch in den Objekten selbst: Ihre Anzahl ist gegenüber New York und Paris deutlich verringert. Dennoch finden die Liebhaber islamischer wie europäischer Kunst gleichermaßen Highlights, die sonst nur schwer zugänglich sind oder sich vergleichender Betrachtung entziehen: Zu den Leihgebern gehören etwa das British Museum, das Museum Islamischer Kunst in Berlin oder die Khalili Collection. Das Metropolitan Museum of Art steuerte eine große gläserne Moscheelampe bei, die zusammen mit einigen Beispielen venezianischer Glaskunst sehr gut die Wege künstlerisch-technischen Austausches demonstriert. Aus Windsor Castle kam Mansuetis Zeichnung »Drei stehender Mamelukischer Würdenträger« � ein kunst- wie kulturhistorisches Zeugnis ersten Ranges. Besonders beeindruckend ist der monumentale Mamelukenteppich aus der Scuola Grande di San Rocco. Seine Provenienz verweist einmal mehr auf die enge Verbindung islamischer und venezianischer Materialkultur.Überhaupt ist es ein wahrer Standortvorteil dieser Ausstellung, dass sie um eine Spurensuche in situ erweitert werden kann: Vom Fondaco dei Turchi bis zu den Historienbildern der Scuolen werden sich immer wieder Anknüpfungspunkte finden.

Am Ende sei noch ein Blick in den umfangreichen Katalog geworfen: Er wurde für Venedig leicht von der Pariser und New Yorker Fassung abweichend neu aufgelegt. Für die Beiträge zeichnen Experten wie Julian Raby, Sylvia Auld oder Deborah Howard verantwortlich, die in ausführlichen Essays Ergebnisse ihrer Forschungen präsentieren. Somit ist der Katalog ein in jeder Hinsicht ergiebiges Forschungsresumee. Auch dem interessierten Laien beantwortet er gewiss manche Detail- oder Hintergrundfrage, die die Ausstellung offen gelassen haben mag.

 

Insgesamt bleibt daher trotz konzeptioneller Kritikpunkte eine positive Bilanz: »Venezia e l�Islam« präsentiert sich nicht nur als lohnender Querschnitt eines interkulturellen Forschungsfeldes � außerordentliche Exponate gewährleisten außerdem konzentrierten Kunstgenuss, versetzt in den historischen Kontext.

 

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Palazzo Ducale

San Marco 1,
30124 Venice
Entrance for the public: Porta del Frumento, Piazzetta San Marco
Tel. ++39 0412715911
Fax ++39 0415285028

 

Öffnungszeiten

01.11.�31.03.
9-17 Uhr (Ticket office 9-16 Uhr);
01.04.�31.10.
9-19 Uhr (Ticket office 9-18 Uhr);

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter europa, geschichte, Islambild, kunst, Uncategorized

Eine Antwort zu “Venezia e l’Islam 828-1797

  1. So toll war die Ausstellung leider nicht. Auch nicht der Katalog 😦

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