Muslim Rap „Native Deen“ Islam-Texte statt Ghetto-Slang

Muslimische US-Band Native Deen will für ihre Religion werben und eine Alternative zum Gangsta-Rap sein.

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Für die drei HipHopper von Native Deen kommt der Prophet vor dem Profit: Die Titel des Trios aus dem US-Staat New Jersey handeln ausschließlich vom islamischen Glauben. Die Bandmitglieder wollen Vorbild für Musikfans sein, die sich sonst vielleicht zum Gangstarap hingezogen fühlen würden, und außerdem wollen sie die amerikanische Öffentlichkeit über ihre Religion informieren. „Der Islam ist unser Alltag“, sagt Native-Deen-Mitglied Joshua Salaam. „Er prägt, was du tust, wer du bist, was du isst, wann du schläfst, wie du betest, alles. Wir singen über das, was wir kennen und wer wir sind.“

Die Band hat ihren Ursprung in einem jährlichen muslimischen Jugendtreffen in Minnesota. Salaam, Abdul-Malik Ahmad und Naeem Muhammad lernten sich dort kennen und gründeten vor zwei Jahren Native Deen. Seitdem haben die drei zahlreiche Singles und Cassetten produziert, die sie eigenverantwortlich und im Internet vertreiben. Ihre Fangemeinde bucht sie zu Konzerten in Moscheen, zu Hochzeiten und Konferenzen. Die drei Freunde, die sich als Mainstream-Gläubige bezeichnen, verlangen 600 Dollar (560 Euro) pro Show. Bei Festen, auf denen Männer und Frauen gemeinsam tanzen oder wo Alkohol ausgeschenkt wird, treten Native Deen nicht auf, denn dies widerspreche ihrem Glauben.https://i1.wp.com/kitaabun.com/shopping3/images/deen_you_know.jpg

Ihre Texte handeln von Spannungen zwischen islamischem und weltlichem Lebensstil, Stolz auf die islamische Kultur und der Erfüllung religiöser Pflichten. Der Refrain ihres bekanntesten Titels lautet: „M-U-S-L-I-M, I’m so blessed to be with them“ (ich bin gesegnet, einer von ihnen zu sein). Ein weiteres Stück, „Hellfire“, beschreibt den inneren Kampf eines halbherzig Gläubigen, der sich Drogen und materialistischen Dingen zuwendet, bevor er zum Glauben zurückfindet und Allah um Vergebung bittet.

Die Band setzt nur ihre Stimmen und Percussion ein, da einige Muslime Blas- und Saiteninstrumente als Verstoß gegen die reine Lehre betrachten. Trotzdem wirkt ihre Musik mit elektronischen Beats und mehrstimmigem Gesang überraschend reichhaltig. „Die Kids wollen etwas, das sie anspricht“, sagt Yaser El-Menshawy, Vorsitzender eines muslimischen Religionsrats in New Jersey. „Wenn man ihnen nichts gibt, das mit den muslimischen Regeln übereinstimmt, dann finden sie etwas anderes.“

Der Bandname leitet sich nach Angaben der Musiker aus dem Arabischen ab, er bedeute in etwa „Natürliche Religion oder Lebensweise“. Freitags moderieren Native Deen eine Internetsendung im Rundfunksender Islamic Broadcasting Network (IBN) mit Sitz in Virginia. Die Resonanz sei gut, sagt Programmdirektor Hana Baba, vor allem unter Jugendlichen. „In E-Mails schreiben mir Leute, wie froh sie sind, dass die muslimische Gemeinde endlich etwas hervorgebracht hat, das sowohl unterhaltend als auch informativ ist.“

Die Fans von Native Deen sind fast ausschließlich Muslime, obwohl die Bandmitglieder selbst sagen, dass sie ihren Wirkungskreis eines Tages erweitern wollen. Die Gruppe arbeitet an ihrem ersten Album und bemüht sich um einen Plattenvertrag. Die Vereinigung der Schallplattenindustrie in Amerika führt keine Statistik über https://i2.wp.com/www.bbc.co.uk/religion/religions/islam/art/images/nativedeen.jpgmuslimische Künstler. Nach ihren Angaben wurden im vergangenen Jahr 918 Millionen Dollar von Künstlern mit religiösem Hintergrund umgesetzt, die meisten davon christliche Gruppen.

Vorerst gehen die Bandmitglieder noch ihren normalen Berufen nach: Salaam als Strafrechtler beim Rat für Islamisch-Amerikanische Beziehungen in Washington, Ahmad als Webdesigner und Muhammad als Projektmanager in einer Technologiefirma. Die Band sieht sich als Alternative zu Gruppen, die mit Rap über Mord und Totschlag Millionen machen. „Die reden darüber, wie sich jemand auszieht, oder über Mädchen“, sagt Salaam. „Da steckt wenig dahinter. Du musst bedenken, welche Macht die Musik hat. Es gibt Fünfjährige, die lernen deine Lieder auswendig und handeln vielleicht danach.“

 

 

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