Apartheit an amerikanischen Unis (1957) vs. Kopftuchverbot an türkischen Unis (2007)

Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den USA
„Sie drohten, mich zu lynchen“

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Das Foto ist 1957 um die Welt gegangen: Ein schwarzes Mädchen im frisch gestärkten weißen Kleid, mit Sonnenbrille, die Schulmappen unterm Arm, verfolgt von weißen Teenagern, Frauen, Männern, bespuckt, beschimpft, bedroht. Aus einem Schulbesuch wurde eines der entscheidenden Ereignisse der Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Von Petra Leimer, BR-Hörfunkstudio Washingtom
Die 15-jährige Elizabeth Eckford auf dem Weg zur „Little Rock Central Highschool“ [Bildunterschrift: Die 15-jährige Elizabeth Eckford auf dem Weg zur „Little Rock Central Highschool“ ]

Die Little Rock Central High School war bis dahin ausschließlich für weiße Schüler. Schwarze hatten ihre eigenen Schulen. Rassentrennung war im Süden der USA die Regel. Elizabeth Eckford war fünfzehn. Als sie an ihrem ersten Tag zur Central High School kam, empfing sie ein feindseliger Mob von mehr als 500 Menschen. Sie erinnert sich: „Wenigstens eine weiße Frau wollte mir helfen. Sie stellte sich der Menge entgegen und sagte allen, dass sie sich schämen sollten. Aber das machte die anderen nur noch wütender. Als die Frau sagte, dass sie ihre kleine Tochter jederzeit mit Negerjungen und -mädchen zur Schule gehen lassen würde, waren sie so außer sich, dass sie drohten, mich zu lynchen.“
Präsident Eisenhower setzte die Bundestruppen ein, um die neun Schülerinnen und Schüler zu schützen [Bildunterschrift: Präsident Eisenhower setzte die Bundestruppen ein, um die neun Schülerinnen und Schüler zu schützen ]

Elizabeth Eckford war eine von neun schwarzen Schülerinnen und Schülern, die von der Schulbehörde ausgewählt worden waren, um in Little Rock umzusetzen, was der Oberste Gerichtshof in ganz Amerika einforderte: die Aufhebung der Rassentrennung an allen öffentlichen Schulen. Doch viele Weiße waren empört, protestierten, fühlten sich einmal mehr von Washington bevormundet und wollten um jeden Preis verhindern, dass ihre Kinder auf die selbe Schule wie Schwarze gehen sollten. Selbst der Gouverneur von Arkansas, Orval Faubus, stationierte seine Nationalgarde an der Schule, um dort die Integration der neun Schüler zu verhindern.
Eisenhower: Pöbel darf nicht stärker als Gerichte sein

Eine weiße Schülerin beschimpft Elizabeth Eckford auf dem Weg zur Schule Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Eine weiße Schülerin beschimpft Elizabeth Eckford auf dem Weg zur Schule ]
Was folgte war ein politisches Kräftemessen zwischen Gouverneur Faubus und Präsident Eisenhower. Am Ende schickte Eisenhower Bundestruppen, um den schwarzen Jugendlichen den Zutritt zur Schule zu garantieren. „Dem Pöbel darf nicht erlaubt werden, die Entscheidungen unserer Gerichte außer Kraft zu setzen“, sagte der US-Präsident damals in einer Fernsehansprache. Der Einsatz der Truppen war ein wichtiges Signal für alle Schwarzen in den USA.

„Die Tatsache, dass der Präsident der Vereinigten Staaten seine Armee aussandte – so etwas hat es bis dahin für afroamerikanische Bürger in diesem Land nicht gegeben“, sagt Ernest Green, der Älteste der „Little Rock Nine“, wie die neun Schüler später genannt wurden. „Erst später realisiert man solche Dinge, es war ein Wendepunkt für die Bürgerrechtsbewegung.“
Die Schikanen gingen weiter

Denkmalenthüllung der Little Rock Nine Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Denkmalenthüllung für die „Little Rock Nine“ 2005: in der Mitte Elizabeth Eckford. ]
In die Schule hinein zu kommen war nach dem Eingreifen der Armee kein Problem mehr, doch das Schlimmste war längst nicht vorbei. Jeden Tag dachten sich weiße Schüler unglaubliche Gemeinheiten gegen die Neun aus. Elizabeth Eckford erinnert sich nicht gern: „Es waren die Schüler, die uns von Klassenzimmer zu Klassenzimmer verfolgten, Hassbotschaften verteilten, absichtlich auf unsere Fersen traten, an der Treppe auf uns warteten, um uns hinunter zu stoßen und uns unter der Dusche verbrühten, indem sie alle Toiletten gleichzeitig spülten.“

Doch fast alle hielten durch: Acht der Little Rock Nine beendeten das Schuljahr. Heute werden sie alle als Helden der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gefeiert. Doch Elizabeth Eckford bleibt bescheiden: „Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch. Aber gewöhnliche Menschen können in außergewöhnlichen Situationen außergewöhnliche Dinge tun. Davon bin ich fest überzeugt und das habe ich für mein Leben gelernt.“

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Türkei, Uncategorized, usa

Eine Antwort zu “Apartheit an amerikanischen Unis (1957) vs. Kopftuchverbot an türkischen Unis (2007)

  1. lopper

    Ich finde diese Seite sehr toll und hat mir echt weitergeholfen. Sehr schön gemacht und endlich eine die nicht auf Englisch ist.
    Danke

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