„Wir wollen wissen, was genau passiert ist“, sagt Salih Özdamar, der Bruder des Toten.

Salih Özdamar

Der Tod von Adem Özdamar auf einer Hagener Polizeiwache wird vom türkischen Justizministerium untersucht. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist die Leiche des 26-Jährigen in einem gerichtsmedizinischen Institut in Istanbul obduziert worden, das direkt dem Ministerium untersteht. Das „TC Adalet Bakanligi adli tip kurumu“ ist die größte Autopsiestelle des türkischen Staates.

Familie Özdamar und ihre Rechtsbeistände bezweifeln, dass Adem Özdamar aufgrund seines Kokainkonsums Mitte Februar auf der Polizeiwache in Hagen ins Koma fiel. Auf ihren Antrag sind zwei türkische Anwältinnen mit dem Fall beauftragt worden; die Kosten für Anwältinnen und Obduktion trägt der türkische Staat.
Die Hagener Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass es „keinerlei Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten“ der Polizisten gebe. Insgesamt elf Beamte waren an der Fesselung des jungen Mannes beteiligt. Özdamar soll randaliert haben und wurde dann bäuchlings liegend an Händen und Füßen fixiert – eine Position, die zur Erstickung führen kann.

In Fortbildungen werden die Polizisten laut NRW-Innenministerium immer wieder über die Gefahr dieser Fesselung unterrichtet. Außerdem wurde in einer ebenfalls von der Familie veranlassten zweiten radiologischen Untersuchung der Kopfaufnahmen ein Nasenbeinbruch festgestellt.

In türkischen Medien wird das Schicksal von Adem Özdamar eben so heftig diskutiert wie in Deutschland der Fall des Jugendlichen Marco W. Dieser wurde verdächtigt, eine englische Teenagerin in der Türkei sexuell belästigt zu haben. Damals zweifelten deutsche Juristen die Rechtmäßigkeit der türkischen Ermittlungen an. Auch im Fall Özdamar werden nun die juristischen und medizinischen Gutachten aus der Türkei und Deutschland einander gegenüber stehen.

Die Leiche des Mannes wurde am 5. März bereits in Hagen obduziert. Fest steht bislang, dass er einige Minuten bäuchlings gefesselt auf einer Trage lag und keinen Puls mehr aufwies. Die Reanimation dauerte mindestens 20 Minuten und führte wahrscheinlich zu der festgestellten Gehirnblutung.

Vorwurf gegen Staatsanwalt

Inzwischen erhebt auch Jürgen Klenk, ein Hagener Anwalt der Familie Özdamar, schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwalschaft. „Die Ermittlungen gegen die Polizisten wurden gar nicht erst aufgenommen“, sagt Klenk. So seien zum Beispiel Ärzte des Hagener Allgemeinen Krankenhauses nicht verhört worden, in das Adem Özdamar unmittelbar von der Wache aus gebracht wurde. Auch gebe es keine Fotos der beteiligten elf Polizisten, damit Zeugen einzelne Handlungen Personen zuordnen können. Der Jurist will eine eigene Beweiserhebung beantragen. „Die Standards jeder Ermittlung wurden nicht eingehalten“, so Klenk.

Auch ein weiterer polizeilicher Standard scheint in Hagen missachtet worden zu sein: „Die beschuldigten Polizisten müssen für die Dauer der Ermittlungen freigestellt werden“, sagt Helmut Rüster, Sprecher der Opferorganisation Der Weiße Ring. „Das besondere Vertrauensverhältnis zur Polizei ist ansonsten nachhaltig beschädigt“, so Rüster.

Jeder Bankangestellte, der des Diebstahls verdächtigt wird, werde sofort vom Dienst frei gestellt. Eine Freistellung sei notwendig, um die Ernsthaftigkeit der Aufklärung unter Beweis zu stellen. Rüster fordert Transparenz bei den Ermittlungen ein. Polizei und Staatsanwalschaft wollen sich „im laufenden Ermittlungsverfahren“ nicht zu den Vorwürfen äußern.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter demokratie, deutschland

2 Antworten zu “„Wir wollen wissen, was genau passiert ist“, sagt Salih Özdamar, der Bruder des Toten.

  1. Pingback: deine Polizei » Blog Archive » KLeine Anekdote über NT bei der Polizei - Kritik an neuem Polizei-Informationssyst…

  2. In Hagen geschehen teuflische Dinge, ich verstehe die Anverwandten des Toten sehr gut:

    http://www.freegermany.de/brd-verbrechen/nadine-o-strafanzeigen-abschmettern.html

    http://freegermany.forumandco.com/deutsche-polizei-engel-oder-satanisten-f27/polizei-hagen-besturzende-dpa-meldung-und-ihre-bedeutung-t52.htm

    Ich würde sehr gern Kontakt mit den Anverwandten des Toten aufnehmen:

    Winfried Sobottka, Karl-Haarmann-Str. 75, 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20

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