„Eine Art Koranlesebuch, das zum Original hinführen soll“

Rabeya Müller im Gespräch mit islam.de über das für Aufsehen sorgende wie auch umstrittene Lesebuch „Der Koran für Kinder und Erwachsene“

Über das neue Lesebuch „Der Koran für Kinder und Erwachsene“ erschienen im Verlag C.H.Beck unterhalten wir uns mit Frau Rabeya Müller. Sie ist neben Frau Lamya Kaddor eine der beiden Autorinnen des mittlerweile schon in der 2. Auflage befindlichen Werkes (1. Auflage 11.000).

Die zum Islam konvertierte Rabeya Müller(57) studierte Pädagogik und Islamwissenschaft und ist Leiterin des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD Köln) und stellvertretende Vorsitzende des Zentrums für islamische Frauenforschung und Frauenförderung. Die Dozentin entwickelte eine Reihe von Unterrichtsmaterialien und Curricula, ist aktiv im interreligiösen Dialog und u.a. Mitherausgeberin des vom Güterloher Verlag aufgelegten Buchs „Gemeinsam vor Gott – Gebete aus Judentum, Christentum und Islam“.

islam.de: Frau Müller, was hat Sie bewogen, das Buch „Koran für Kinder und Erwachsene“ in deutscher Sprache zu veröffentlichen?

Rabeya Müller: Sowohl Lamya Kaddor als auch ich haben bei zahlreichen Veranstaltungen und auch im schulischen Unterricht den Bedarf sehr wohl wahrgenommen. Die Nachfrage scheint unsere Vermutung zu bestätigen.

islam.de: Übersetzungen der ungefähren Bedeutung des Korans sind ja an sich nichts Ungewöhnliches und gibt es ja in fast allen Sprachen, was ist das Besondere an diesem Buch?

Rabeya Müller: Es ist eine Art Koranlesebuch, das zum Original hinführen soll. Viele Menschen, gerade Jugendliche, haben Schwierigkeiten, den Koran zu verstehen, weil die Themen nicht kontinuierlich hintereinander aufgeschrieben stehen…

islam.de:… deswegen die andere Reihenfolge, Abschnitte und andere Überschriften?

Rabeya Müller: Ja, genau. Wir hoffen damit darauf hinweisen zu können, wie spannend und hochaktuell der Koran auch heute noch sein kann und dass er mehr ist als ein Buch, das nur im obersten Teil des Regals steht und im Ramadan einmal durchgelesen wird.
Die Resonanz gerade bei jungendlichen Musliminnen und Muslimen war durchweg positiv. Wir haben einige Lesetests vorab mit dieser Altersklasse gemacht. Viele haben das Buch nacheinander durchgelesen und es hinterher mit Bemerkungen wie: „Jetzt habe ich zum ersten Mal etwas verstanden!“ o.ä. zurück gegeben.

islam.de: Wie gehen Sie mit der Kritik einen „Koran light“ etablieren, um?

Rabeya Müller: Das ist ein Vorwurf, der meist von nicht-muslimischer Seite, vor allem von den sog. „Islamkritikern und Kritikerinnen“ kommt, die den Koran gern entweder als antiquiert oder als Problem darstellen wollen.
Uns ging es ganz klar darum, ein bestimmtes Basiswissen zu schaffen, mit dem z.B. die anderen, nicht in dem Buch berücksichtigten Verse besser zu verstehen sind. Es bringt gar nichts, bestimmte manchmal als problematisch empfundene Verse, die nur mit einem azbabu-n-nuzul verständlich sind aufzuführen, ohne dass die generalisierenden Aussagen z.B. über das Menschenbild oder den Umgang mit Nichtmusliminnen und Nichtmuslimen verstanden und verinnerlicht worden sind.

islam.de: Warum haben Sie nicht auf umstrittene Bilder über den Propheten verzichten können, war das eine Vorlage des Verlages?

Rabeya Müller: So kann man das nicht sagen. Wir waren uns alle einig darüber, dass ein Buch für Kinder und Jugendliche Bilder braucht, dabei haben wir uns bewusst gegen die Option entschieden, das Buch illustrieren zu lassen. Wir haben auf eine alte islamische Kunstform, nämlich die der osmanischen und persischen Miniaturen zurückgegriffen.

islam.de: Viele Muslime werden daran Anstoß nehmen, ohne je das Buch in der Hand zu halten geschweige denn, es zu lesen; aber das war doch die Intention, es ist doch für Muslime geschrieben, oder nicht?

Rabeya Müller: Das ist natürlich bedauerlich, dass einige Musliminnen und Muslime dies so sehen. In erster Linie ist das Buch natürlich für diese Gruppe gedacht, aber auch für Menschen, die sich für den Koran an sich interessieren und einen neuen Zugang suchen. Es gibt viele, die es mit den herkömmlichen Übersetzungen versucht haben und nicht durchgedrungen sind. Insgesamt lässt sich sagen, dass Allah es ist, der unsere Absicht kennt und beurteilen wird.

islam.de: Frau Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch

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