Die Toten von Winnenden und die Mitschuld der Amok-Industrie


Bettina Röhl
von Bettina Röhl, Journalistin und Publizistin
12.03.2009 – 00.00 Uhr

Amoklauf in Winnenden. 15 Menschen hat ein 17.jähriger Massenmörder in einem Blutrausch erschossen, und weitere Menschen verletzt, zum Teil schwer. Die Amok-Industrie erreicht routinemäßg ihre Betriebstemperatur. Wahrhafte Trauer wird gestört.

Die Bundesrepublik ist ein gewaltengeteilter, demokratischer Staat mit Wohlstand und mit verdammt vielen, aber kleinen Fehlern. Und dennoch wird sie vornehmlich von einer Gewalt, die die anderen Gewalten mitreißt, geschunden.

Zu den Gewalten zählen sich selber vornehmlich die Medien, die sich als Oberkontrollinstanz über alle anderen Gewalten, vielleicht mit Ausnahme der Justiz, sehen. Und die Medien sehen ihr Geschäft und noch mehr die Möglichkeit sich wichtig zu tun.

Herausgekommen ist eine Art Totalkollaps-Reaktion auf Busunglücke, Bahnhaverien, Flugzeugstürze und dergleichen. Jährlich sterben – im Gegensatz zu früher – Gott sei Dank nur noch 5000 Menschen auf deutschen Straßen durch tödliche Unfälle. In den Haushalten und in den Arbeitsplätzen sind es mehr. Das Jahr hat, so will es die Sonne oder die Erdumlaufbahn um die Sonne, 365 Tage. So kann man sich leicht ausrechnen, wieviele Menschen durch Unfall täglich sterben und in der Bundesrepublik sind seit ihrem Bestehen auch schon mehr Menschen ermordet worden, als sie nötig sind, um eine Stadt zu einer Großstadt zu machen.

Es sind aber immer nur singuläre Fälle, die meist aus Zufall medial ausgeschlachtet werden. Natürlich nach dem Motto von Mitleid und Aufklärung. Amokläufe bringen das Medienfass zum Überlaufen und reißen die Politik, die Institutionen und auch die medialen Institutionen mit in einen widerwärtigen Betroffenheitssumpf. Gottesdienste mit vielen Prominenzen und sich vor den Kameras in den Armen liegenden weinenden Teenager: die kamerabewaffneten Voyeuristen zerstören jedes authentische Gefühl.

Mitgefühl mit den Ermordeten und Hilfe für die Angehörigen und Freunde der Opfer sieht anders aus

Wer Revue passieren lässt, was der Amokfall von Erfurt an Reaktionen von der Staatsspitze bis hinunter zum kleinsten Bürger an Reaktionen ausgelöst hat, der kann ernsthaft nicht darüber hinweg sehen, dass dieser Veröffentlichungshorror mindestens eine Conditio für den Amoklauf von Winnenden gewesen ist.

Die nimmer endende Motivsuche ( wie konnte aus einem netten Jungen ein Amokläufer werden?), die Frage nach Begründungen, die ewigen Psychologen und Seelsorger, die sich gern interviewen lassen. Menschen, die ihrem Helfersyndrom frönen und sicher auch Menschen, die aus lauteren Motiven in dem Wahnsinnskarussell, das Amokläufer in Gang setzen, mit drehen. Sie alle wirken kontraproduktiv.

Stille Trauer, tätige Hilfe und vernünftige Bewertungen und Konzepte sind gefragt. Film-und Bild-Reporter sollten es sich verkneifen die Puscher-Funktion zu übernehmen und gnadenlos drauf zu halten, auf echte Tränen und auf Tränen, die keine Chance mehr haben echt zu sein.

Das Geschäft mit dem Horror des Amoklaufs ist ein sehr hoher Preis für die sogenannte Pressefreiheit.

Es gibt so gut wie nichts von diesem Amoklauf zu berichten, das wirklich eine werthaltige Nachricht ist, außer den wenigen Zeilen, die den nackten Tathergang, der im Groben inzwischen hinreichend bekannt ist, schildern.

Man stelle sich vor, Historiker aus dem Jahr 2100 schauen auf die heutige Zeit zurück. Dann können sie die Katastrophen von Erfurt und die von Winnenden und die vielen anderen Amokläufe nicht mehr unterscheiden, sie könnten Dokumente nur noch zuordnen, wenn sie ein Kalenderdatum tragen.

Die Stereotypie und Austauschbarkeit der Medienschäume ist grenzenlos. Alle Spekulationen, alle Sensationen, alle Bekundungen von immer neuen, immer wortgleichen emotionalen Betroffenheiten sind nichts als der Abschaum einer chemischen Überproduktion von Scheinlegitimationen: Immer wieder wird tausendfach Gesagtes noch einmal mit einem noch engagierteren Gesicht gesagt.

Höchste Politiker, Seelsorger, Vertreter der Kirche, Prominente – alle müssen ununterbrochen ins Fernsehen und den Ausnahmezustand erklären, für den sie auch nicht den Ansatz einer Erklärung liefern. Und die Leute spekulieren sich aufgeblasen und gespreizt einen ab, in immer wohl gesetzteren Worten.

Um die Opfer, die keiner kennt, wird voyeristisch „getrauert.“

Die Opfer bleiben namenlos und haben am Ende meist nur einen Zählwert. Und der Täter? Der steht im Zentrum des Interesses: wie konnte es nur passieren, dass ausgerechnet dieser Tim, der immer so adrett und unauffällig war, zum Massenmörder werden konnte. Die Frage wird wieder und wieder mit großem Gestus gestellt, obwohl jeder weiß, dass diejenigen, die die Frage stellen, keine Antwort haben und auch keinen Beitrag zur Findung einer Antwort leisten. Es sind die Showelemente, die alles gnadenlos verdrängen alles.

Dass die Täter emotional vereinsamt seien, sich ausgeschlossen fühlten und so weiter, dererlei Expertisen sind wohlfeil. Und dass die Umwelt und die Gesellschaft und überhaupt die anderen einen wesentlichen Beitrag leisteten, dass Amokläufer angeschaltet werden, das sind typische Phrasen, die man zu hören bekommt. Es gab in der Menschheitsgeschichte allerdings schon viele Menschen, die nach diesen Kriterien hätten Amokläufer geworden sein müssen.

Es mag sein, dass Amokläufer keine feststellbaren Spezifika in ihren Persönlichkeitsstrukturen aufweisen, wie man auch nach solchen Ereignissen immer wieder hört, und es mag auch sein, dass Amokläufer vorab in ihrer „Vorbereitungszeit“ Signale senden, die man besser gehört hätte. Manchmal wird von Horrorvideos oder Videospielen gesprochen, die angeblich keinen sonderlich großen Einfluss hätten, außer dass sie vielleicht etwas ohnehin Vorhandenes verstärkten.

Dabei werden ausgerechnet die Horrorfilme und die Gewalt-Video-Spiele höchst artifiziell in ihrem Ursachenbeitrag unterschätzt und es gilt als ein Angriff auf die heilige Presse-und Kunstfreiheit, wenn man das Verbot Gewalt-Spielen und Horrorfilmen anspricht.

Die Gesellschaftstherapeuten stellen parteitaktische Forderungen und Patentlösungen vor und bei allem wird ignoriert, dass es, um auf den Anfang dieses Textes zurück zu kommen, etwas gibt, was sofort Hilfe verspricht:

Die Republik kann nicht mit Videokameras zugepflastert werden, die Schulen nicht zu Hochsicherheitszonen hochgerüstet werden, es darf keine Generalverdächtigungen geben, es darf keinen Überwachungsstaat geben und die Gesellschaft darf sich auch nicht von Einzeltätern dazu hinreißen lassen eine freie geistig rege und auch positiv denkende Jugend in den Schulen mit Abwehr-Restriktionen gegen Amokläufer zu gängeln.

Alibi-Diskussionen, Marktschreierei, Klugscheißerei – all das wird nicht benötigt, aber – und das sollte nicht unterschätzt werden – die Foren, der große theatralische Auftritt, die ins sinnlose übersteigerte Scheinwichtigkeit, die Überhöhung von Amoktaten und deren Tätern durch eine öffentliche Resonanz, die jede Dimension und jeden Halt verloren hat und stoßgebetartig jedesmal zu einer regelrechten Amok-Industrie mutiert, müssen schlicht und ergreifen ersatzlos aufhören ihr falsches Werk zu tun.

Das bringt keine Garantie, dass Amok nie wieder passiert, aber es kann der Inflation dieses Tat- und Tätertypus entgegen wirken. Es verhält sich ähnlich wie mit den Terroristen. Jeder Terrorist und jede Terrortat trägt Energien in sich, die Nachfolge-Täter auf den Plan rufen, weshalb es viel besser wäre, man hätte den Terrorismus totgeschwiegen und ihn routinemäßig der Justiz und der Polizei überlassen, statt dass die Medien Terroranschläge gierig ausschlachten und Terroristenzu Megastars machen zu lassen.

Der Reiz statt unbekannt zu leben, als berühmter Amokläufer zu sterben und in die Geschichte einzugehen, muss weg fallen

Die Taten und die Täter sind in Wahrheit viel weniger interessant, als die permanente Suche nach deren Motiven glauben macht. Auch hinter diesem Tim steckt nichts. Eine Null. Die unausgesprochene Behauptung, dass tendenziell in jedem Menschen auch ein Krimineller und auch ein Amokläufer steckt, die von Experten unterschwellig lanciert wird, in dem sie mit äußerst wichtigem Auftritt dozieren, dass es nichts bei den Tätern gibt, was eine Destination, Anlage oder Geneigtheit oder Ähnliches indiziere, ist auf eine katastrophale Weise gefährlich und falsch.

Es taugt eben gerade nicht jeder Mensch zum Amokläufer. Straftäter sind eben nicht, wie es in ideologischen Zeiten vor kurzem noch hieß, Produkte ihrer Umwelt. Man muss aufhören einen Amokläufer, je grauenvoller und brutaler seine Tat ist, umso liebevoller und süchtiger als Unschuldslamm, der nur an irgendwelchen Umständen zerbrochen sei, zu sehen. Damit tritt die Diskussion auf der Stelle und reproduziert Amok.

Es muss auch eine moralische Verurteilung möglich sein,nicht nur eine strafrechtliche, die der Ruhmsucht der Amokläufer den Reiz nimmt. Die Amok-Versteherei wirkt kontraproduktiv. Da hilft es auch nicht, dass die Tat sekündlich einmal im Land irgendwo schrecklich, unfassbar, unverständlich und dergleichen mehr genannt wird. Das alles ist evident.

Den Opfern hilft der routinemäßig anschwellende Bocksgesang mit letzten Endes kurzer Halbwertszeit überhaupt nichts. Deswegen kann man den Verantwortlichen in der Politik wie auch in den Medien nur den dringenden Rat geben den Sog zu stoppen, sich ehrenvoll und mit echtem Mitgefühl zurück zu ziehen und keine Showveranstaltung aus einem Amoklauf heraus zu generieren.

Erfurt war bis zu den nachlaufenden Büchern hin und dem Gerangel zwischen Heldenstatus und Medienpräsenz ein wirklich abschreckendes Beispiel, was Medien anrichten können. Da wurde aus einer bösen Realität für die betroffenen Menschen teilweise eine Big-Brother-Show heraus geholt, bei der Menschen, die dies unter normalen Umständen nicht wollten, aktiv mitspielten oder spielen mussten.

Man hofft, dass erkannt wird, dass die Wirklichkeit nur dann Realität bleibt, wenn nicht die Scheinwelten der Medien die Macht übernehmen.

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25 Kommentare

Eingeordnet unter deutschland

25 Antworten zu “Die Toten von Winnenden und die Mitschuld der Amok-Industrie

  1. lars

    wer kann schon so sein wie der die schüler die eltern un wie die lerhra tun mir so leid 😦

  2. alime

    @Lars
    Du hast absolut Recht? Ich trauere ebenfalls um die Angehörigen und Verbliebenen der Opfer, aber auch des Täters. Ich denke, dass der Täter ein Produkt unserer Gesellschaft ist. Nicht nur in den USA, sondern auch in den skandinawischen Ländern und jetzt auch erneut in Deutschland finden Amokläfe statt. Was ist falsch in unserer Gesellschaft? Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um? Werden wir alle dahingehend erzogen, nur an uns selbst zu denken. Sind wir alle nur erfolgorientiert und akzeptieren keine Misserfolge? Auch nicht bei uns selbst oder bei unseren Kindern?
    Warum gibt es keine Amokläufe an muslimischen Schulen in muslimschen Ländern? Warum gibt es sie im Westen?
    Ich denke der Grund liegt einfach im Familiensystem. Gerade jenes System, welches vom Westen als menschenverachtend, unterdrückerisch und ungerecht bezeichnet wird. Aber ich denke, dass die Jugend und die Kinder einer Gesellschaft, der Spiegel jener Gesellschaft ist. So sehr mir die Opfer auch leid tun, muss ich leider erkennen, dass der Täter durch seine Tat, dieser Gesellschaft eine Spiegel vorgehalten hat. „Ich lasse mir nichts mehr von euch gefallen.“ Was mussten denn die Jugendlichen „sich gefallen lassen“? Auf diese Fragen müssen wir als EINE Gesellschaft, egal ob Muslim oder Christ, Deutscher, Türke oder Italiener, eine Antwort finden.

  3. Pingback: padre's weblog.

  4. @Alime: Die Ursache liegt natürlich in der westlichen Gesellschaft, denn die Amokläufe passieren in der westlichen Gesellschaft. Warum Amokläufe nicht in „muslimischen“ Ländern vorkommen ist eine Frage, die doch wohl nicht ernsthaft in einem Kontext gestellt werden kann.

    Genauso gut könnte man dann fragen, warum es unter Stalin, Hitler oder Ceauşescu (um nur eine kleine Auswahl schrecklicher Diktaturen zu nennen) keine Amokläufe in Schulen gegeben hat. Warum sprengen sich im Irak oder in Afghanistan (muslimische) Amokläufer neben (muslimischen) Kindern und Frauen in die Luft? Weil dort das Familiensystem funktioniert hat?

    Die Antwort im religiösen Umfeld zu suchen, bringt meines Erachtens nichts. Du hast Recht, wenn du sagst, dass an unserem Familiensystem etwas nicht (mehr) stimmt. An dieser Erkenntnis sollten wir weiter diskutieren. Es wird keine Lösung sein, zu pauschalisieren. „Der Westen“, „die Muslime“. Wir sind einzelne Menschen, Individuen. Es gibt nicht „den Westen“ und es gibt nicht „die Muslime“.

  5. Pingback: Die Institutionalisierung von Amokläufen « homo sociologicus

  6. michelle

    echt ey wie kann man so was tun!!!! die schüler/in tun mir richtig leid und die eltern von denn verstorbenen auch!!!

  7. cristina

    wie kann man nur so ein mensch sein und leute umbringen obwohl sie nichts gemacht haben und sie umbringen?!
    dass ist doch unglaublich!!
    mein mitleid an die bekannten,familien,freunden u.s.w

  8. Respekt! Der beste Beitrag, den ich zum Thema „Amoklauf in Winnenden“ gelesen habe. Die grausame Tat mutiert zu einer Show, bei der es offensichtlich für die Medien nur noch ein Ziel gibt: Wie schlachte ich das letzte Quentchen an Informationen aus, um sie noch gut zu verkaufen? Und es scheint zu funktionieren. Traurig!

  9. Pingback: Niveau!Los!

  10. Fritz

    @Alime:
    „Warum gibt es keine Amokläufe an muslimischen Schulen in muslimschen Ländern? Warum gibt es sie im Westen?“
    Warum gibt es keine jugendlichen Sprengstoff-Selbstmordattentäter im Westen? Warum gibt es sie im Orient? Und müssen wir auf diesem Niveau diskutieren?

  11. Nein diesem Artikel kann ich nicht zustimmen.
    Sie schreiben viele richtige und wichtige Dinge an.
    Hellhörig gemacht hat mich aber der Satz: „Der Täter war eine Null“
    Mit den Zeichen Null und eins funktioniert unser Computersystem. Mit der Null rechnen wir.
    Warum dann nicht bei den Menschen. Warum wird die Null als negativ angesehen?

    In der Philosophie gibt es den Begriff des Nihilismus und im Buddhismus die Idee vom Nirwana.
    Beides sind Formulierungen für die Leere. Wenn also eine Null eine runde und gleichzeitig leere Form hat, dann kann dort alles hineingeworfen werden, wie in einen Topf. Welche Suppe wir daraus kochen liegt an uns Menschen.
    Am Nullpunkt sein, heißt auch hilflos und leer zu sein. Hat dieser Junge nicht auch ein deutliches Zeichen gesetzt? Er hat überwiegend weibliche Personen getötet. Ich sehe da einen ungeheuren Hass auf das weibliche Geschlecht. Es gilt zu ergründen, wie dieser Hass entsteht und wie er in Zukunft verhindert werden kann.

  12. alime

    @Fritz
    das war ein kontrastiver Vergleich, eine Methode des Westens. 😉 Okay, was schlägst du vor?

  13. alime

    @schokomo
    habe jetzt Durst auch einen Schocko-Shake. Spass bei Seite. Stimmt, die Gier der Medien an Infos ist zum er***. 😦

  14. alime

    @Die Institutionalisierung von Amokläufen « homo sociologicus
    Kann dir nicht hanz folgen.

  15. alime

    Die Antwort im religiösen Umfeld zu suchen, bringt meines Erachtens nichts. Du hast Recht, wenn du sagst, dass an unserem Familiensystem etwas nicht (mehr) stimmt. An dieser Erkenntnis sollten wir weiter diskutieren. Es wird keine Lösung sein, zu pauschalisieren. “Der Westen”, “die Muslime”. Wir sind einzelne Menschen, Individuen. Es gibt nicht “den Westen” und es gibt nicht “die Muslime”.

    Stimme dir zu mein Freund. Okay, lass uns nach gemeinsamen Ansätzen suchen. Als Muslim bin ich verpflichtet der Gesellschaft, in der ich lebe, zu helfen. Ich denke, dass wir bei der Institution SCHULE anfangen sollten. Meine Idee: 15 Schüler pro Klassenlehrer. Mehr Sozialpädagogen und Psychologen an Schulen. Migrantenquote an Schulen sollte nicht 25% übrerschreiten.
    Und woher das Geld? Auch dafür habe ich eine Idee: Die Truppen aus Afganistan abziehen. $$$$ Merkel nach Afganistan schicken und Schäuble pensionieren.

  16. @alime: gut. mehr pädagogen (und am besten auch solche, die tatsächlich welche sind und nicht einfach 3 jahre irgendwas studiert haben), kleinere klassen, individuellere betreuung und förderung. bin ganz deiner meinung. wie das bezahlt werden kann, ist eine andere frage, die aber sicherlich gelöst werden könnte.

    der abzug aus afghanistan ist doch schon zu spät. deutschland hätte überhaupt nicht daran teilnehmen dürfen (und damit einfluss und politische stärke innerhalb der weltgemeinschaft eingebüßt). jetzt aber sind wir da und jetzt haben wir auch eine moralische verantwortung, dort zu bleiben, bis das land eine stabilität erreicht hat, die die menschen in freiheit (kulturell, geistig, körperlich, politisch) leben lässt.

    was würde wohl passieren, wenn nun die ISAF afghanistan verlässt? würdest du als aufgeklärter moslem einen neuen sharia-staat befürworten? glaubst du, das land könnte sich gegen die taliban und drogenkartelle durchsetzen? das ziel ist es doch, in den ISAF-gebieten ein umfeld zu schaffen, in dem die kinder frei aufwachsen können und die zukünftige generation stellen. in dem die gesellschaft sich so entwickeln kann, dass sie nicht bei dem nächsten wind wieder umfällt.

    die bundeswehr schießt und bombt sich nicht menschenverachtend durch die bevölkerung. das sind die taliban, muslime. denen geht es darum chaos und leid zu verteilen. mit dem ergebnis, dass andere muslime der meinung sind, dass die bundeswehr sich aus afghanistan zurückziehen muss, damit nicht mehr so viel chaos und leid über die glaubensbrüder und schwestern kommt. eine sehr menschenverachtende und tödliche strategie. ich wundere mich, warum sie weiterhin so viele eiferer findet.

    es geht um frieden und nicht um tod und hass. es können mehrere religionen parallel existieren – viele vergessen, dass sie alle den gleichen ursprung haben – und den gleichen gott. wir glauben an den gleichen gott.

    migrantenquote an den schulen nicht über 25% – schwierige sache. sind migranten nur kinder, die in einem anderen land geboren wurden? oder sind das vielleicht auch kinder, die hier in deutschland geboren wurden, deren eltern aber beide kaum bis gar nicht deutsch sprechen und ihre erziehung und umwelt genauso wahrnehmen, als wären sie noch im heimatland ihrer eltern. zweites problem: was macht man in brennpunkten und siedlungen mit hoher migranten-dichte? die kinder in andere gebiete umsiedeln, in denen es weniger migranten gibt? den aufschrei in der gesellschaft möchte ich mal sehen. 🙂

  17. Olaf

    Der Amoklauf des Jungen ist also kein Produkt dieser Gesellschaft?
    Aber der Ursachenbeitrag von Gewalt- und Killerspielen wird (laut Artikel) unterschätzt! Sind denn etwa Killerspiele kein Produkt unserer Gesellschaft?

    Der Beitrag drückt mächtig auf die Tränendrüse und reiht sich damit ein in die gesamte gemachte Medienindustrie. Eine Analyse findet nicht statt.

    Der Täter war also eine Null? Warum war er dann in der Lage, als einfacher Handelskaufmannslehrling, mit einer Waffe zielgerichtet zahlreiche Menschen in den Kopf zu schießen? Er wurde wohl doch eher unterschätzt. Er hatte Fähigkeiten, die in seinem Alltag keine Anerkennung fanden. Wäre eine ernsthafte Herausforderung für diesen Jungen nicht die richtige Alternative gewesen? Keine Frage der Täter hat moralisch versagt, aber warum? Wohl doch, weil es kaum mehr Moral in dieser Gesellschaft gibt, derer er sich hätte annehmen können.

  18. @Padre,

    „es geht um frieden und nicht um tod und hass. es können mehrere religionen parallel existieren – viele vergessen, dass sie alle den gleichen ursprung haben – und den gleichen gott. wir glauben an den gleichen gott.“

    Damit schreibst Du mir aus der Seele und greifst ein wichtiges Anliegen auf.
    http://rotegraefin.wordpress.com/2008/08/29/islam-und-christentum/

    Was wir dringend bedürfen, ist die Anerkenntnis des Anders sein des Andren. Daran fehlt es oft.
    Der Friede beginnt immer im eigenen Herzen/Leben.

  19. alime

    @padre

    jetzt aber sind wir da und jetzt haben wir auch eine moralische verantwortung, dort zu bleiben, bis das land eine stabilität erreicht hat, die die menschen in freiheit (kulturell, geistig, körperlich, politisch) leben lässt.

    Du überträgst an dieser Stelle die christlich-abendländische Gesellschaftsnorm auf eine orientalische Gesellschaft, die eine völlig andere Entwicklungsgeschichte hat. Wie wäre es, wenn Saudi Arabien sich ihrer moralische verantwortung bewusst wird und unter diesem Motto versucht nach ihren eigenen normativen Wert die hiesige Gesellschaft „moralisch zu retten“? Verstehst du meinen Ansatz? Unter den Vorwand, den du genannt hast haben bereits viele Missionare in Entwicklungsländern hohen Schaden angerichtet. Zitat „Als sie kamen hatten wir das Land und sie die Bibel und als sie gingen, hatten wir die Bibel und sie das Land“.
    Ob Scharia (Gottesstaat ist eine falsche Übersetzung und keine Paraphrasierung; von daher bitte Vorsicht beim Gebrauch von Fremdwörter.), Demokratien, Kapitalismus, Kommunismus oder Theokratie… Jede Gesellschaft sollte das Recht haben ihre Staatsform selber aufzusuchen. Das ist nämlich demokratisch. Das Volk bestimmt, alle Macht dem Volk. Wer in einem kapitalistischem Staat nicht leben möchte, der sollte auswandern. Genauso sollte es mit Menschen sein, die in muslimischen Ländern unglücklich sind.

    was macht man in brennpunkten und siedlungen mit hoher migranten-dichte? die kinder in andere gebiete umsiedeln, in denen es weniger migranten gibt? den aufschrei in der gesellschaft möchte ich mal sehen.

    Lösung: Wohnungen in nicht Brennpunkten geben, staatlich subventioniert, natürlich. Wer Integration möchte, der muss auch einen „Türken“ als Nachbarn akzeptieren können. Denn nur durch die eigene „Opferbereitschaft“ kann man Parallelgesellschaften verhindern.

    Viel mehr Mischehen….

    Menschen mit Migrationshintergrund Führungspositionen gegen, z.B. Schulleiter, Schulrat, etc. Nicht immer Blonden und Blauäugigen. Mehr „Schwarzköpfe“ bei den Entscheidungsträgern… (Jetzt habe ich bestimmt einige Gemüter erregt, aber das ist mir völlig egal, denn ich denke praktisch und dementsprechend sind auch meine Lösungsansätze.)

  20. alime

    Keine Frage der Täter hat moralisch versagt, aber warum? Wohl doch, weil es kaum mehr Moral in dieser Gesellschaft gibt, derer er sich hätte annehmen können.

    Es gibt immer eine Moral, aber diese ist nicht immer Gesamtgesellschaftlich richtig.

  21. @alime
    Wir stehen alle mit einander in Beziehung und was der eine ablehnt befürwortet der andere geradezu. Schon allein diese Tatsache bildet Feindbilder in den Köpfen der Menschen und egal ob Blond oder Braun oder Schwarz.
    So wie ich denke so handle ich und mein Handeln bedingt wieder ein erneutes Denken. Es ist wichtig sich gegenseitig in diesem Fluss des Lebens zu stärken und so zu handeln als ob das Ziel schon erreicht ist.
    Was bedeutet scharia?

  22. alime

    @rotegraefin

    wenn ein Muslim fastet praktiziert er die Scharia, wenn ein Muslim betet praktiziert er die Scharia, wenn ein Muslim Zakat (eine Art Pflichtsteuer für wohltätige Zwecke) abgibt praktiziert er die Scharia, wenn ein Muslim nach Mekka pilgert praktiziert er die Scharia,…
    Die Scharia bedarf keinen Staat, und erst recht keinen Gottesstaat, denn der Muslim per se ist ein Mikro-Staat. Er ist Aussenminister bei der Pilgerfahrt, Gesundheitsminister im Ramadan, Finanzminister bei der Zakat,…
    Es geht lediglich darum dem Muslim die Rechte für die Praxis dieser Dinge zu gewähren. Es gibt keinen Vatikan oder ähnliche Konstukte im Islam. Der Islam ist dynamisch, flexibel, rational und praktisch.

  23. @alime
    Das klingt ja ganz ähnlich wie bei den Christen. Wir haben ja zum Glück auch den gleichen Gott-
    Das Reich Gottes ist in uns! Deswegen können wir den Nächsten lieben, wie uns selbst.
    Es geht also darum die Liebe Gottes und die Barmherzigkeit Gottes zu leben und zu verkünden.
    Danke Dir alime.

  24. Ich Persönlich find das mit dem Amoklauf sehr beängsdigend und grausam,weil die Opfer unschuldig waren.
    An unsrer Schule ist das Haupotthemer geworden.

    Im Fernsehen geben sie ja ein das der Amokläufer Tim k. hieß.
    Den Nachnamen sollten die garnicht schreiben , denn es gibt noch andere Menschen die Tim k. heißen !!!!!!!!!!!!
    Die äergert man dann.

  25. Achim Wolf

    Die Entstehung von Hass, Lieblosigkeit und Gewalt jeglicher Form, so auch von Amokläufen, ist im folgenden Artikel sehr gut erklärt. Bitte lesen Sie diese aufschlussreiche und tiefgründige Erklärung mit dem Titel „Hass macht den Menschen zum Unmenschen“ aufmerksam durch. http://www.figu.org/ch/files/downloads/artikel/hass_macht_den_menschen_zum_unmenschen.pdf?download.

    Achim Wolf, achiwo@gmx.net

    PS: Antworten, Reaktionen, Gedankenaustausch per E-Mail sind willkommen.

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