Feuerattacke auf Muslimin: Schülerinnen suspendiert

30.09.2009 | 18:57 |  (Die Presse)

Zwei Jugendliche haben bei einem Schulausflug eine Klassenkameradin attackiert. Am Ende zündeten sie das Kopftuch der praktizierenden Muslimin an. Die beiden 15-jährigen Schülerinnen wollen sich nicht entschuldigen.

GRAZ (hoe). Mehrere Gespräche mit den Betroffenen, deren Eltern und Vertrauenspersonen haben nichts geholfen: Die beiden 15-jährigen Schülerinnen der Caritas-Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Graz wollten sich für ihr Vorgehen nicht entschuldigen. „Da das Ziel der Einsicht nicht erreicht werden konnte, blieb als Konsequenz nur der Schulverweis“, sagt Direktorin Evelyn Awad.

Was war passiert? Die beiden Jugendlichen hatten bei einem Schulausflug eine Klassenkameradin attackiert. Am Ende zündeten sie das Kopftuch der praktizierenden Muslimin an. Da es sich um keine leicht entflammbaren Kunstfaser handelte, brannte das Tuch nicht weiter. Folgen hatte der Vorfall dennoch. Einen Tag später informierte die Mutter des Opfers die Schulleitung. Direktorin Awad riet zu einer Anzeige und versuchte parallel schulintern mit Gesprächen die Situation zu deeskalieren. Der Mutter reichte das nicht: „Die Direktorin hat nur Einzelgespräche geführt“, kritisierte sie. Sie erstattete bei der Polizei Anzeige, diese wird den Fall an das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung weitergeben.

Bei der Caritas als Schulträger zeigt man sich betroffen. Laut Direktorin könne ein religiöses Motiv ausgeschlossen werden, es gehe um „persönliche Differenzen“. Es sei aber „ein Vorfall, der in seiner symbolischen Dimension und emotionalen Beleidigung für diese Schule außergewöhnlich ist“, so Caritas-Sprecher Harald Schmied. Der Anteil an der vorwiegend von weiblichen Jugendlichen besuchten Schule liegt bei rund 20Prozent. Es werden immer wieder interreligiöse Projekte angeboten. Dienstagabend schien zumindest klassenintern eine Lösung möglich. „Die beiden Täterinnen wollten sich vor versammelter Klasse entschuldigen“, sagt Awad. Gestern, Mittwoch, weigerten sie sich allerdings. Der Schulverweis war die Folge.

Der muslimische Verein Somm kritisiert den Vorfall, Mobbing wegen des Kopftuchs müssten muslimische Frauen immer wieder hinnehmen: „In Wahlkampfzeiten ist es besonders schlimm.“

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5 Kommentare

Eingeordnet unter demokratie, muslim

5 Antworten zu “Feuerattacke auf Muslimin: Schülerinnen suspendiert

  1. feydbraybrook

    Es wird zu klären sein, inwiefern der Vorfall rassistisch motiviert war oder nicht.

    Die Meinungen im sog. web.de-„Forum“ (das den Namen mangels Forenaufsicht nicht verdient) jedenfalls halten dem Vergleich mit braunstem Gedankengut stand.

    Bereits der erste Beitrag spricht davon, daß „das Kopftuch noch mehr Probleme machen wird“…

    Link hier:

    „Forum“ auf web.de

    Nicht, daß man alles ernstnehmen sollte, was in irgendeinem Forum steht. Die Frequentierung des Forums und die Masse an Zustimmung für den Beitrag dort lassen mich unruhig werden. 83 % befürworten das erste Posting des Users AlRich. Erschreckend.

  2. alime

    Ich finde die Meinungen auch erschreckend. District 9 lässt grüßen. Wie schön einige Menschen sich Legitimationen für rassistisches Gedankengut verschaffen. Nicht-Muslime dürfen und sollten nicht zum Tragen eines Kopftuches gefordert werden.

  3. feydbraybrook

    @alime

    ich verstehe Deinen letzten Satz nicht. Wer hat einen Nicht-Moslem dazu aufgefordert, ein Kopftuch zu tragen?

  4. Der Islam ist eine Wunderbare Religion, das Kopftuch ist jedem überlassen
    Wie er damit umgeht nur Fakt ist dass das von vielen missbraucht wird
    In der Vergangenheit hat man sechs Millionen Menschen umgebracht
    Kinder und Frauen unschuldige Menschen und jetzt soll das Kopftuch ein Problem sein
    Obwohl ich überzeugter Christ bin kann ich ganz offen sagen der Islam hat nichts mit Gewalt
    Oder hass zu tun ich kann Arabisch und ich habe viele Muslimische freunde, es ist zeit
    Nach zu denken über die Wahrheit und was die Menschen wirklich brauchen und
    Warum es hier geht.

  5. feydbraybrook

    @Elias

    das finde ich auch: wie jede Religion muß auch der Islam differenziert betrachtet werden.

    Religion als Phänomen innerhalb von Gesellschaften ist immer auch verquickt mit den Gesellschaften. Das heißt also, daß, je nach Gesellschaft, die Ausübung der Religion höchst unterschiedlich sein kann, und das gilt natürlich ebenso für den Islam wie für das Christentum.

    Der USA-amerikanische Protestantismus der Südstaaten ist etwas völlig anderes als derjenige in Deutschland und genauso sind beim hiesigen Katholizismus deutliche Unterschiede zu jenem Süditaliens zu erkennen.

    Diese Sachverhalte mögen ein paar rechtsgerichtete Schnellschuß-Diskutanten überfordern, aber es hat sie ja auch keiner gezwungen, sich zu Wort zu melden.

    Leider dürfen sie das aber und sie tun es auch, selbst, wenn sie Sarrazin heißen und polemisieren.

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