Urteil: Das Un-Friedens-Gebet

Das Gebet ist Pflicht
Das Gebet führt zu Frieden mit Gott und den
Mitmenschen
Beide hatten unschuldige – vielleicht sogar naive – Vorstellungen: Sie vertrauten
auf die Garantie ihrer Grundrechte, des Plularismus und der Glaubensfreiheit, das
in Deutschland jedem unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion
zugesichert wird.
Fereshta fand es deswegen ganz selbstverständlich als gläubige Muslima, Kinder
in der Grundschule zu unterrichten, und studierte aus diesem Grund auf das
Lehramt – bis sie eines Tages eines Besseren belehrt wurde. Sie wurde von der
baden-württembergischen Kultusministerin Anette Schavan, selbst gläubige
Katholikin, und promoviert über das Thema „Person und Gewissen“, nämlich vor
die Wahl gestellt: Kopftuch oder Lehrerin in Staatsdienst – aber beides ginge
nicht!
Wie wir wissen, wurde der Rechtsstreit dazu mit einem Urteil des
Verfassungsgerichts beendet. Das Ergebnis war, dass nun die meisten
Bundesländer Kopftücher für Lehrerinnen in der Schule verboten haben und
Baden-Württemberg dieses Verbot sogar für Erzieherinnen der kommunalen
Kindergärten ausgeweitet hat. Etliche Instutionen und gesellschaftliche Bereiche
in Deutschland  z.T. in Europa sind diesem Beispiel gefolgt und verbannten die
Koptücher von gläubigen Musliminnen aus dem öffentlichen Leben.
Diese Woche haben wir einen weiteren Akt dieses Trauerstücks erlebt:


Yunus aus Berlin wollte nur sein Gebet in der Schule verrichten. Es sind nur 5
Minuten in der Pause, dachte er sich. Dass gerade sein Gebet, das den Frieden
mit seinem Schöpfer und seinen Mitmenschen begründet, den Schulfrieden
stören sollte, kam ihm wahrscheinlich nicht in den Sinn. Nach der Entscheidung
des Bundesverwaltungsgerichts, können sich nun alle Lehrkräfte und
Verantwortlichen in staatlichen Schulen darauf berufen, dass das (muslimische)
Gebet Unfrieden in die Schule bringt.
In den staatlichen Schulen werden nun die Kräfte gestärkt, die Schritt für Schritt
die Religionsfreiheit für Muslime einschränken wollen, und man kann weiteren
Druck auf die Muslime erwarten.  Denn auch dieses Urteil wird Signale der
Religionseinschränkung in die Gesellschaft senden.
Gibt es da noch irgendwelche Lösungen und Möglichkeiten der
Religionsausbüng für Muslime, speziell in diesem Gebiet, ohne die
Gebote Gottes zu missachten?
Eine mögliche Lösung für beide Fälle wäre, muslimische Privatschulen, wo u.a.
Lehrerinnen mit Kopftuch ungehindert unterrichten und Schüler ihre Gebete
verrichten könnten.
Klar, das ist nach den Grundsätzen von Grundrecht, Pluralismus und Freiheit
zwar wieder theoretisch möglich, aber in der Praxis eher schwer durchsetzbar.
Warum? Weil die Muslime sich ja mit solchen Privatschulen abschotten
und diese Vorhaben der Integration zuwiderlaufen würde, so der Einwand!
Also, gleich aufgeben und auswandern?
Nein, niemand außer Allah selbst weiß, welche Veränderungen Allah allein durch
unsere Bemühungen für die richtige Sache bringen wird. Denn Allah sagt:
“Diejenigen aber, die sich um Unsertwillen abmühen, werden Wir ganz
gewiß Unsere Wege leiten…“ (29:69).
Zudem dürfen wir den Grundsatz, den Allah uns verdeutlicht, bei aller
Frustration niemals vergessen:
„Doch wahrlich, mit (jeder) Schwierigkeit kommt (auch) Erleichterung!
Doch wahrlich, mit (jeder) Schwierigkeit kommt (auch) Erleichterung!
(94:5-7).
Aus diesem Grund sollten wir versuchen auch diesen Weg gehen.
Rüştü Aslandur, muslimehelfen

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4 Kommentare

Eingeordnet unter deutschland, Du'a (Bittgebet), gesellschaft, muslim

4 Antworten zu “Urteil: Das Un-Friedens-Gebet

  1. Deutschland ist ein Land das wie kein zweites auf Image, vor allem international, baut. Das grosse „Heiligtum“, die Aussenhandelsbilanz, diktiert deutsche Politik. Wenn Muslime ihre Lage in Deutschland verbessern wollen, dann wird dies am ehesten durch internationale Blossstellung erreicht. Wenn ABC News und BBC ueber deutsche Menschenrechtsverstoesse berichten, wird sich etwas tun. Solange dies nur intern in Deutschland passiert, wird sich nichts aendern. Schreibt an internationale Presseagenturen und ihr werdet euch wundern wie schnell euch das Gebet wieder erlaubt wird …..

  2. xsernakatomi

    Selamlar Admin-Abi, mail adresi bulamadigim icin buraya yaziyorum. google e „muslim“ yazildiginda, öncelikle „muslime.jpg“ – yani dosya isimleri araniyor. Bundan doalyi islamiyete karsi sayfalarda resimlere bu isim verildiginden dolayi, görmek istemedigmiz yalan resimler ortaya cikiyor. Sayfanizin google-ranki oldukca iyi, eger sizde yeni bir hazirladigniz metinde resim kullanip „muslime.jpg“ vs. kullanirsaniz, azda olsa, bunu engellemis olursunuz.

    Yaptigniz isi taktir ederiyorum, saygilarimla…

  3. auguste

    Viele Medien, die sich mit diesem Fall (des Gebetsverbotes an der Schule) beschäftigt haben, haben sich nicht die Mühe gemacht, den Hintergrund zu beleuchten. Es ist eigentlich logisch, dass der Islam, so wie er bei den Eltern gelebt wird, über die Kinder auch an die Schulen gelangt. An jeder Schule, in der muslimische Kinder unterrichtet werden, gibt es daher AUCH das unangenehme Phänomen, dass die einen die anderen mit „Moral“ tyrannisieren. Die Mädchen, die kein Kopftuch tragen, werden angepöbelt und unter Druck gesetzt von denen, die eines tragen, und diejenigen, die den Ramadan nicht einhalten, bekommen Ärger mit denen, die ihn einhalten. Usw. Von denen, die ausführlicher berichtet haben (es gab auch ein Interview mit dem Schulleiter irgendwo), wissen wir, dass es in diesem Fall für die Schule nicht um Religionsfreiheit für den Islam ging, sondern um den sozialen Frieden für alle (das ist immerhin ihr oberster Auftrag) und darum, solchen tyrannischen Fraktionen das Wasser abzugraben. Möglicherweise ist es strategischer Blödsinn, das durch die Verweigerung des Gebetsraumes zu versuchen, aber jedenfalls war dies das Argument. Es ist ein Thema für den Religionsunterricht (und für die die Moscheegemeinden!!!!), aber nicht für Gerichte, welche sozialverträglichen Umgehensweisen es für die Situation gibt, dass die Menschen verschieden mit der Religion umgehen. Und heirüber scheint keine Verständigung stattgefunden zu haben.

  4. auguste

    Bei einem solchen Urteil geht es darum, die verschiedenen Rechte und Pflichten gegeneinander abzuwägen – und in diesem Falle die Aufgaben einer Schule als einer öffentlichen Institution nicht NUR für Muslime. Ich persönlich ärgere mich sehr darüber, wenn auch wir als Muslime aus allem und jedem ein Grundsatzurteil über den Islam machen wollen – ohne Rücksicht auf sämtliche anderen Aufgaben und Anliegen des Gemeinwesens. So weit ich weiß, war auch ein Raum der Stille in der Diskussion, in der dann die Vertreter aller Religionen beten können, so viel sie wollen. Das wäre auch die einzige vernünftige Lösung gewesen und diese Möglichkeit wurde von dem Gericht NICHT in Abrede gestellt. Ob sie an der Schule inzwischen umgesetzt wurde, weiß ich nicht, jedenfalls war da das Problem die Frage nach der Aufsicht und damals war die nicht gelöst. Solche Räume der „Stille“ wären nämlich genau wie andere Orte, an denen man ungestört ist (die Schulwege zum Beispiel), besonders günstige Gelegenheiten für das Mobbing, das ja unterbunden werden sollte.

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