Prophet Muhammed: Medina, Leben und Krieg

Der Prophet und seine Gefährten, die aus Mekka abgewandert waren, wurden nach und nach in Medina sesshaft und fanden sich allmählich in ihrer neuen Umgebung zurecht. In den ersten sieben Monaten wohnte Muhammad zu Gast bei Abu Ayyub, bis die Moschee und die beiden dazugehörigen Wohngebäude fertig gebaut waren. Dann bezog der Prophet zusammen mit seiner Ehefrau Sawda seine eigenen Wohnräume. Aisha, deren Hochzeit in Medina gefeiert wurde, folgte einige Monate später. In den darauffolgenden Wochen kamen auch Muhammads Töchter dazu. Eine Gesellschaft wurde unter besonders schwierigen Umständen gegründet. Stammeskonflikte und Machtkämpfe gestalteten die Beziehungen zwischen Muslimen und Mitgliedern anderer Klans trotz bestehender Abkommen und Bündnisse außerordentlich kompliziert.

Gelegentlich verfielen auch die Gläubigen zurück in Verhaltensweisen aus heidnischen Zeiten, was zu Spannungen führte. Doch die religiöse und spirituelle Erziehung der Gefährten fand weiterhin statt. Und der Prophet war immer zur Stelle, um sie an die Prinzipien zu erinnern, denen die Gläubigen nunmehr treu bleiben mussten. In Mekka war man äußerst verstimmt, und der Erfolg der Auswanderung wurde nicht nur als Demütigung empfunden, sondern auch als Bedrohung des Machtgefüges auf der gesamten arabischen Halbinsel.

Seit Jahrzehnten waren die Koreischiten die unangefochtenen Herrscher, was nicht nur auf ihrer Geschichte beruhte, sondern auch auf dem Umstand, dass sie die Stadt Mekka, das Götzenheiligtum und jene Stätte verwalteten, wo sich einmal jährlich alle Stämme zum Handelsmarkt versammelten. Die Nachricht von Muhammads Abspaltung und Ansiedlung in Medina hatte sich in der gesamten Region verbreitet und den Ruf sowie die Macht der Koreischiten empfindlich beeinträchtigt. Muhammad und seinen Gefährten war dies bewusst; und sie erwarteten daher eine unmittelbar bevorstehende Reaktion seitens des Klans und der Familienmitglieder, die ihnen nur allzu vertraut waren.

Aus dem Buch

Muhammad – Auf den Spuren des Propheten, S. 128 f.

von Tariq Ramadan

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13. Oktober 2014 · 01:24

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