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Der Islam als selbstverständlicher Bestandteil der deutschen Gesellschaft

Prämisse aller Bemühungen um die Überwindung islamophober Stereotype muss die Anerkennung der schlichten Tatsache sein, dass der Islam zu einem dauerhaften Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden ist. Diese Realität war bekanntlich bis in die 1990er Jahre hinein verdrängt worden. Über Jahrzehnte hinweg war man in Deutschland auf allen Seiten davon ausgegangen, dass es sich beim Islam hierzulande um eine vorübergehende „Gastarbeiterreligion“ handelte, deren nachhaltige Integration in die Gesellschaft kein Thema sein müsste. Die sprichwörtlichen Hinterhofmoscheen standen symbolisch für eine provisorische religiöse Selbstversorgung am Rande der Gesellschaft und zunächst ohne Perspektive der Dauer. Erst in den letzten Jahren hat sich in der Breite der Gesellschaft die Einsicht durchgesetzt, die Bundesinnenminister Schäuble im Vorfeld des von ihm einberufenen ersten Islamgipfels wie folgt formuliert hat: „Im Land leben rund drei Millionen Muslime, aber wir haben keine Beziehung zur vielfältigen muslimischen Gemeinschaft, obwohl sie ein fester Teil unserer Gesellschaft ist.“106

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21. Juni 2014 · 03:12

Italien: Streit um islamischen Religionsunterricht

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Islam für alle

„Reli“ – diese gängige Abkürzung wird bald nicht mehr nur für katholischen oder evangelischen Religionsunterricht stehen. Auch für rund 750 000 Schüler an öffentlichen Schulen in Deutschland, deren Familien sich zum Islam bekennen, soll der konfessionelle islamische Religionsunterricht als reguläres Fach in deutscher Sprache eingeführt werden. Auf dieses Ziel haben sich im März die Vertreter von Staat, muslimischen Verbänden und nicht organisierten Muslimen in Deutschland auf dem dritten Plenumstreffen der Deutschen Islamkonferenz (DIK) geeinigt.

Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten wird über die Einführung von islamischem Religionsunterricht an deutschen Schulen diskutiert. Gescheitert ist die Umsetzung bislang immer an dem Argument, den Behörden fehle für die Gestaltung der Lehrpläne der vom Grundgesetz vorgeschriebene einheitliche und repräsentative Ansprechpartner der islamischen Gemeinschaft – eine Forderung, der die sehr unterschiedlich organisierten Muslime nur schwer nachkommen können. Wenn jetzt mit Hilfe der Deutschen Islamkonferenz eine Einigung von Sunniten, Schiiten, Aleviten und anderen muslimischen Glaubensrichtungen zustande kommt, werden bald rund 5000 Islam-Lehrer für den Unterricht an deutschen Schulen gebraucht, die im Sinne der deutschen Schulgesetzgebung unterrichten sollen und dürfen. Das scheint auf den ersten Blick unrealistisch zu sein, immerhin gibt es aber schon zahlreiche Lehrer mit viel Erfahrung in unterschiedlichen Modellversuchen „Islamischer Religionsunterricht“ an staatlichen Schulen.

In Nordrhein-Westfalen setzte sich ab Mitte der 80er Jahre die Einsicht durch, dass die „Gastarbeiter“ und ihre hier geborenen Kinder in Deutschland bleiben, lernen und leben. NRW bot damals als erstes Bundesland „Islamische Unterweisung“ als Schulfach an. Das Fach war zwar in den Muttersprachenunterricht muslimischer Kinder integriert, aber die 1986 von der nordrhein-westfälischen Landesregierung getragene „Religiöse Unterweisung für Schüler islamischen Glaubens“ für Klasse 1 bis 4 hatte zum ersten Mal einen Rahmenplan, der nicht aus der Perspektive der Herkunftsländer, sondern im Soester Landesinstitut für Schule und Weiterbildung entwickelt worden war und ein integratives Ziel verfolgte. Grundsätzlich neu an diesem Plan war der leitende Gedanke, „die Kinder eben nicht in ihrer ethnisch-kulturellen Herkunft, sondern in ihrer religiösen Zugehörigkeit zu beheimaten“, sagt die Islamwissenschaftlerin Irka Mohr von der Universität Erfurt. Aber noch wurde dieser Unterricht in arabischer oder türkischer Sprache abgehalten, bis 1999 wiederum die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine deutschsprachige Islamkunde für die Klassen 1 bis 10 einführte.

Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 wird der deutschsprachige Islamunterricht an öffentlichen Schulen nicht mehr nur im Zusammenhang mit der Integrationsdebatte diskutiert. Er gilt auch als eine Möglichkeit, die religiös-ethische Erziehung von Muslimen im Sinne des Grundgesetzes zu gestalten und damit extremistischen Einflüssen vorzubeugen. Seit 2003 hat sich das Angebot staatlich getragener Modellversuche denn auch deutlich erweitert. Niedersachsen bietet seit fünf Jahren an 21 Grundschulstandorten „Islam“ im Testlauf an, Bayern an einer Grundschule in Erlangen.

Ein auf vier Jahre angelegter Versuch läuft seit 2004 in Rheinland-Pfalz an einer Grundschule in Ludwigshafen, Baden-Württemberg startete 2006 einen Schulversuch an zwölf Grundschulen, und seit diesem Schuljahr 2007/08 gibt es zum ersten Mal „Islam“ auf Deutsch auch an Grundschulen in Schleswig-Holstein. Bundesländer wie Hamburg, Bremen oder Berlin haben andere Modelle. Während in Berlin der Unterricht in der Verantwortung der Islamischen Förderation stattfindet, wird der konfessionelle Religionsunterricht in Bremen gänzlich durch Ethikunterricht ersetzt.

Im Hamburger Modell verantwortet den Religionsunterricht zwar die Nordelbische Kirche, gestaltet ihn aber mit muslimischen und jüdischen Religionslehrern gemeinsam als überkonfessionellen „Religionsunterricht für alle“. In den ostdeutschen Ländern stehen aufgrund eines zu geringen Anteils an Muslimen unter den Schülern Modellversuche noch aus.
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Islamischer Religionsunterricht

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Seit zwei Jahrzehnten wird über die Frage diskutiert, ob und ggf. in welcher Form muslimische Schüler an öffentlichen Schulen in ihrer Religion unterrichtet werden können[1]. Schon im Jahre 1984 hat die Kultusministerkonferenz die Notwendigkeit, einen islamischen Religionsunterricht einzuführen, anerkannt[2]. Der ordentliche islamische Religionsunterricht ist – durch die institutionelle Garantie[3]- nicht nur eine verfassungsrechtliche Vorgabe, sondern von erheblicher kultureller, integrations- und religionspolitischer Bedeutung.

 

Doch nach wie vor gibt es in Deutschland keinen ordentlichen Religionsunterricht für muslimische Kinder nach Art. 7 III GG. Über die Möglichkeit der Einführung wird zwar in fast allen westlichen Bundesländern heftig diskutiert, jedoch entspricht diese Diskussion weder den muslimischen Vorstellungen, noch den verfassungsrechtlichen Vorgaben. Die entwickelten Lösungen, als Surrogat für den ordentlichen Religionsunterricht nach Art. 7 III GG, sind ungenügend. Die seit 1999 in Nordrhein Westfalen im Rahmen eines Modellversuchs praktizierte islamische Unterweisung in deutscher Sprache in rein staatlicher Verantwortung ist ein klarer Verstoß gegen Art. 7 III GG, da es für den Staat verboten ist, in seiner eigenen inhaltlichen Verantwortung Religionsunterricht anzubieten[4]. Auch das Modell der religiösen Unterweisung im Rahmen des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichtes, welches in vielen Bundesländern durchgeführt wird, ist verfassungsrechtlich höchst problematisch und integrationspolitisch nicht hinnehmbar. Dieses Modell läuft in Kooperation mit der konsularischen Vertretung des türkischen Staates. Lehrpersonal sind türkische Lehrer, die Lehrinhalte orientieren sich weitgehend an türkischen Festlegungen in Ankara.

 

Der ordentliche Religionsunterricht nach Art. 7 III GG hingegen entspricht den Vorstellungen der islamischen Religionsgemeinschaften.

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