Muslimische Musiker: Outlandish

Neues Album - Closer Than Veins

Über die Band

Die Zeiten, in denen wir leben, sind geprägt von stark polarisierten politischen Positionen. Kulturgrenzen gelten als unüberwindlich. Nur zu oft wird die Welt anhand fragwürdigen Kriterien in die Kategorien „wir“ und „sie“ eingeteilt. Wie wichtig in einer solchen Zeit Künstler sind, die sich die Zeit nehmen, um ihr Talent für die Verbreitung einer Botschaft einzusetzen, die die Gleichheit aller menschlichen Wesen dieses Planeten zur zentralen Aussage macht, lässt sich nur erahnen. Denn das Blut, das durch unsere Adern fließt, unterscheidet sich nicht wesentlich von dem Blut, dass in den Adern unserer Nachbarn fließt, auch wenn wir vielleicht nicht den selben sozialen Status, die gleichen politischen Ansichten, die gleiche Religionszugehörigkeit haben, und auf dem gleichen Längen- und Breitengrad leben – und genau das ist das Thema von Outlandish.

Die Geschichte von Outlandish ist eine ermutigende Story über ein gemeinsames Abenteuer, das für die drei Protagonisten in den Jugendclubs und auf den Fußballfeldern der westlichen Vororte Kopenhagens begann. Es ist der faszinierende Werdegang einer Band, der durch harte Arbeit, tief verwurzelte Freundschaft und dem Mut, neue musikalische Wege einzuschlagen, der internationale Durchbruch gelang. Gleichzeitig sind Outlandish eine Band, die sich durch nichts den Blick auf die „eine Welt, in der wir alle zusammen leben“ verstellen lässt und mit sehr persönlichen und fundierten Inhalten ihre Perspektive deutlich macht. Es ist in der Tat einiges geschehen, seit sich Lenny Martínez, Waqas Qadri und Isam Bachiri im Jahre 1997 zusammenfanden, um als Outlandish Karriere zu
machen…

„Official fusion cuisine“

Der erste Meilenstein auf ihrem bisherigen Weg kam mit dem Debütalbum „Outland’s Official” (2000, erschien nur in Dänemark), das sowohl von Kritikern als auch von der breiten Öffentlichkeit in ihrer Heimat mit offenen Armen aufgenommen wurde. Die drei Songs „Walou”, „Wherever” und „Come On” wurden zu großen Airplay-Hits. Das Trio räumte in der Folge zahlreiche Musikpreise ab, wurde für sechs „Danish Music Awards“ nominiert und erhielt den Preis für das beste HipHop-Album.
Mit der Veröffentlichung von „Outland’s Official“ konnten Outlandish erstmals zeigen, was sie auszeichnet: Eine Band als musikalischer und soziokultureller Mini-Schmelztiegel (die drei entstammen marokkanischen, kubanischen und pakistanischen Einwandererfamilien), befeuert von der Kraft des HipHop, für den Lenny, Waqas und Isam schon in frühester Jugend eine große Leidenschaft entwickelten. Schon beim ersten Hören wurde klar: Dies war eine ganz spezielle musikalische Delikatesse, die die Jungs da in ihrer „Fusion Cuisine“ zusammengebrutzelt hatten. Die Grundzutaten US-amerikanischer Herkunft würzten Outlandish gekonnt mit allerlei Zusätzen – Beats und Samples aus arabischer Popmusik, Bollywood Soundtracks oder auch lateinamerikanischen Rhythmen. Die Texte wurden in Englisch, Spanisch, Urdu, Arabisch und Dänisch verfasst. Am besten beschreibt das musikalische Zusammenkommen der verschiedenen Einflüsse folgende Anekdote, die Isam auf Lager hat: „Ich erinnere mich, als ich in meinem Zimmer war und Tupac hörte; meine Mutter hatte auf ihrer Stereoanlage im Wohnzimmer unten marokkanische Folkmusik laufen und irgendwie kam mir dabei Idee, dass ich die beiden Elemente meines Lebens musikalisch vereinen könnte.“

“Crossing borders”

Das Follow-Up-Album „Bread & Barrels Of Water” (2002) sollte der Band bereits den internationalen Durchbruch bescheren. Hits wie „Guantanamo“ und „Aicha“ entfachten eine Erfolgsdynamik, die Outlandish plötzlich zu den wichtigsten Vertretern der dänischen Popmusik werden ließ.
Ein Jahr später wurde eine internationale Version von „Bread & Barrels Of Water” in fast ganz Europa, in Indien, im Mittleren Osten und Nordafrika veröffentlicht. Die Single „Aicha“ erreichte in diversen europäischen Ländern (u.a. Deutschland) Platz eins der Charts und erhielt zahlreiche Goldauszeichnungen. In der Folge tourten Isam Bachiri, Lenny Martínez und Waqas Qadri durch Europa, gaben auch Konzerte im Mittleren Osten und Indien, wo das Album Goldstatus erreichte. Im Anschluss begleiteten sie als Support Latin-Rock-Legende Santana auf dessen 2003er-Tour und traten als Special Guest bei Konzerten von Destiny’s Child und Kelly Rowland auf. Outlandish nahmen an den MTV Awards in Indien teil und wurden bei den Nordic Music Awards 2004 als „Best Nordic Act“ ausgezeichnet. Bei den Arabic Music Awards in Dubai erhielten sie einen Award in der Kategorie „Best International Release“.

Konnte man das Debütalbum thematisch als Aufarbeitung aller Erfahrungen bezeichnen, die sich in jungen Jahren im Spannungsfeld ethnisch-kulturelle Unterschiede auftun, so war der Nachfolger weit spiritueller, introvertierter – und selbst die Loyalität zu ihrem Urspungs-Genre HipHop musste bisweilen einer neuen Form des musikalischen Ausdrucks weichen.

„In motion“

Zu Beginn des Jahres 2004 fanden sich die drei wieder im Studio zusammen, um die Arbeiten an jenem Album zu beginnen, das nun den Titel „Closer Than Veins“ trägt. Die Erfahrungen auf ihren Reisen hatten einen erheblichen Einfluss die Entstehung der Stücke. „Wir waren da, wo die Dinge passieren. Wir haben viele verschiedene Arten von Menschen getroffen, die ihr Leben auf völlig unterschiedliche Art und Weise leben, unter völlig verschiedenen Lebensumständen. Ich glaube, das hat uns sehr geholfen, uns selbst als menschliche Wesen zu sehen, als Teil des Ganzen, im Gegensatz zu Einwanderern, die anders sind als die Welt, die sie umgibt. Das spiegelt sich in unseren Texten und in der Art und Weise, wie wir Musik machen…“, erklärt Waqas.

Wenn man „Closer Than Veins“ hört, wird einem sofort klar, was damit gemeint ist. Outlandish haben sich aus dem langen Schatten des HipHop entfernt, in dem sie sich in den letzten Jahren bewegt hatten. Die fünfzehn Songs machen deutlich: Outlandish bedienen sich bei allen Genres und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten, die in der Welt existieren. Die Schönheit und der faszinierende Reiz der Musik belegt das kreative Selbstbewusstsein der Bandmitglieder: Waqas (29), Isam (28) und Lenny (30). Vom Rap hin zu Songs und wieder zurück zum Rap; von den Eigenproduktionen bis hin zu den Kollaborationen mit anderen Produzenten; von der Melancholie zu den Freuden des Lebens, plus das eine oder andere deutlich Wort zu gesellschaftlichen Missständen – Outlandish präsentieren sich vielfältiger als je zuvor. Und das Ergebnis ist ein phantastisches, drittes Album. Doch so ambitioniert und musikalisch fundiert Stücke wie „I Only Ask Of Good“ (eine Coverversion des Stücks „Solo le pido Dios“ des argentinischen Singer/Songwriters Leon Gieco aus dem Jahre 1978) oder der aggressive HipHop-Track „Kom Igen (Come Again)“ (das Teile des European-Song-Contest-Siegiertitels „Dansevise“ aus dem Jahr 1963 aufgreift) auch sind – nie vernachlässigen Outlandish das Qualitäts-Trademark, das alle bisherigen Produktionen der Band auszeichnet und auf das sich ihre Fans blindlings verlassen können: Hooklines, für die die Konkurrenz ihr letztes Karl-Kani-Hemd gäbe. Ein Paradebeispiel für maximale Catchiness bei minimalster Cheesiness ist auch die erste Single-Auskopplung „Look Into My Eyes“ – ein smarter, moderner Protestsong im Spannungsfeld von Singer/Songwriter-Pop und laid-back HipHop. Ein Hit mit Ansage. Und Attitude.

Führt man sich die Quantensprünge vor Augen, die die Band von Album zu Album unternommen hat, muss man gespannt sein, wohin die Reise des Trios in den kommenden Jahren führen mag.

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Eingeordnet unter kultur, musik, muslim

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